Mittwoch, 19. Dezember 2012

ACCROCHAGE 2012


Einen Jahresrückblick mit alt bekannten und neu entdeckten Künstlern präsentiert Ricarda Fox in ihren Mülheimer Räumen. Als Mann der ersten Stunde ist Oliver Jordan mit dabei. Frühe Industrielandschaften aus der Essener Zeit werden gezeigt, Landschaften aus der Bretagne, seinem zweiten Domizil neben Köln, und Portraits in kräftigen pastosen Farben, also der typischen Handschrift des Künstlers, die man immer wiedererkennt - auch wenn Monika Taffet, eine Mülheimer Fußmann-Schülerin, die Farbe ebenso pastos behanden kann. In ihre Landschaften meint man eintreten zu können, um in  Baumkronen nach Licht und Farbe zu greifen und einzutauchen in die Atmosphäre einer stimmungvsollen Jahreszeit. Den Herbst von seiner schönen Seite zeigt auch Vera Herzogenrath in einer Serie von abstrahierten, postkartengroßen Blättern zum Vorzugspreis von 99 Euro. 

Daneben und quer durch die Ausstellung gestreut begeget man den Objekten unterschiedlicher Werkphasen von Hilke Turré. Im Eingangsbereich die tanzenden Paare in schwebender Balance, dann die kleinen, eleganten Bronzestelen mit und ohne Sockel und die großen, schlank aufschießenden Figuren. Sie sind aus Stoff aufgebaut und mit Ton ummantelt. Auf Augenhöhe wird der Betrachter mit der abstrahierten Darstellung von Menschen fremder Kulturen konfrontiert. Bunte, exotische und ganz gewöhnliche Stoffe, typische Haltungen, Kleidungsstücke und Kopfbedeckungen charakterisieren die Herkunft einer Figur aus dem arabischen und afrikanischen Raum.

Klassisch und ausgewogen mutet die Formensprache nicht nur dieser Künstler an. Auch Christian Hoffmanns Fotografien orientieren sich an der Konvention  klassischer Landschaften. Doch er malt sie zuerst, Erde, Wolken, Horizont und Licht, um sie dann zu fotografieren und das fotografierte Abbild des Originals in dieser Ausstellung zu zeigen. Malerei und Fotografie gehen hier eigenwillige Verbindungen ein, ebens wie in den Arbeiten von Thomas Henninger. Seine fast schwarz-weißen, am Computer generierten Arbeiten zeigen vertraute Sehgewohnheiten in fremdem Licht. Zwischen Märchen, Mythos und Cyberwelt changieren sie, zwischen potenzieller Wirklichkeit und der Unwirklichkeit des Traums. Manche Arbeiten sind mit einer mattierenden Schicht aus Wachs versehen, was ihre Lesbarkeit zusätzlich in Frage stellt.

Ausdrucksstarke Portraitausschnitte in bekannt anmutendem Farbstrich glaubt man in den Bildern des in Berlin lebenden Süd-Koreaners Yongtak Choi zu sehen. Doch der Eindruck täuscht. Denn in den vielschichtigen, fast wie gehäutet wirkenden Gesichtszügen junger Menschen machen sich fotorealistische Passagen breit. Auch diese Arbeiten muten wie ein fremd gewordene Gegenwart an und zerstören jede eingefahrene Bildkonvention. Eine Einzelausstellung dieses Künstlers ist zu erwarten für das nächste Jahr - zum 20sten Gründungsjahr der Galerie.

Bis 25.1.2013, Galerie Fox, Mülheim, Liverpoolstraße 15, Sa u. So vor Weihnachten mit verlängerter Öffnungszeit von 12-18 Uhr, di-fr 15-19 Uhr 

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