Dienstag, 4. Dezember 2012

Listen to your eyes ... 2012

„Listen to your eyes“ heißt es im Kunstraum mit einer großen Schau atelierfrischer Malerei, Fotografie und Skulptur. Eindeutig dominiert die Farbe einladend bunt auf figurativen Tableaus. Daneben nehmen viele Künstler gesellschaftlich Unsinniges hintersinnig auf’s Korn. Nicht mit beißendem Sarkasmus oder tiefsinniger Gesellschaftskritik reagieren sie, sondern mit einer guten Portion Gelassenheit. Ob sie begründet ist in einem Gefühl von Ohnmacht, zu dem man sich angesichts globalisierter Wirtschaftsstrukturen verurteilt sieht? Einige Themen jedenfalls resultierten sichtbar aus dem Lebensgefühl einer jüngeren Generation.
Des Menschen Projektion ist sein Tier. Wagemutig also das Portrait von David Uessem, der seit einem Jahr erst auf dem Kunstmarkt mit Erfolg arriviert? Ein in Neonfarben hyperrealistisch gemaltes Selbstportrait im Hasenkostüm stellt es dar, das er nach der Fertigstellung partiell „überrakelt“. Das rechte Auge in Farbschlieren versunken blickt der Künstler uns munter an. Was genau in diesem verwischenden, teilweise nur kontrollierbaren, manche würden sagen  destruktiven Malgang passiert, ist nicht steuerbar. Das Bild behauptet sich oder ist zerstört, in jedem Fall wird die ästhetisch perfekte Oberfläche gebrochen. Ebenso das Portrait „Mr.Maxi Monet“. Ein attraktiver Freund des Künstlers, Max der Wasserballspieler wird ästhetisch perfekt gemalt und dann verwischt. Was von ihm übrig bleibt, erinnert entfernt an Monets grüne Seerosenlandschaft.

Auch Holger Kurt Jäger zeigt Katzenhasen in Leuchtfarben, ausstaffiert für Frühling, Herbst und Winter mit Blüten, Christkindkostümen, an denen Paris Hilton Freude hätte. Auch hier fällt auf, wie mutig und gelassen der Künstler perfekt ausgeführte Bildflächen im Farbdripping löscht und übermalt. Idealisierte, perfekte Oberflächen lässt er lieber in den humorvoll abgedrehten Bildern bestehen.

Wolfgang Neumann malt Barack Obama und Helmut Kohl als traurige Clowns, Anja Luithle bestückt Schuhe oder ein halbes Hirn mit Hirschgeweih. Roland Schmitz lässt den „Bunny Master“ und „Cat Man“, the Wrestler Katzen durch die Lüfte schleudern. Ausgeführt sind seine Bronzen in differenziert naturalistischer Technik, die er zerkratzt, patiniert oder zur Plinthe zerfließen lässt.

Sarkastisch geht es auch bei Anja Schilling zu. „Hausfrauenträume“ nennt sie die Holzbrettchen,in denen Küchenmesser wie Raketen stehen. Dazu passen die Mokka Tassen im Galeriefenster, in denen selbst drehende Löffel bei jeder Rotation genüsslich knirschen.

Vieles mehr ist zu entdecken: Der Surfer oder Beach Boy von Roger Löcherbach, Spreckelmeyers stürzende Transformer, Lucia Dellefants Design von Durchhalte- und Wunschparolen auf Aluminium oder Ivo Lucas fiktionale Historienbilder.

Derzeit restlos ausverkauft sind leider die Bestände von Alpay Efe, doch es wird
nachproduziert.

Bis 23.12.2012, kunst-raum Schulte-Goltz & Noelte, Rüttenscheider Str. 56, di-fr 12-19, sa 10-16 Uhr u.n.V.

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