Donnerstag, 24. Januar 2013

Der Paas'sche Popplanet


„Sputnik I“ ist der Titel dieser ebenso reduziert wie stark farbig wirkenden Schau von Jürgen Paas, die das Werk des vermutlich bekanntesten Essener Künstlers auf eindrucksvolle Weise entfaltet. Vorwiegend neue Arbeiten aus den letzten Jahren werden vorgestellt.
Und in der Tat: Wie Sputniks farbiger Galaxien kreisen kreisrunde konzentrische Farbflächen umeinander. Gemalt, aus Folien collagiert oder farbigen Buchseiten geschichtet verschlingen, überlagern und steigern sich farbige Formen zu rotierenden plastischen Formationen. Flirrende Dynamik und Ausgewogenheit suggerieren sie.

12 quadratische Kästen sind auf raumhoher Kreisformation angeordnet. Sie bergen pulverbeschichtete Farbflächen aus Stahl, die der Künstler zu einer bestimmten Raumwirkung angeordnet hat, hier in formaler Korrespondenz zu einem Werk gegenüber. Jeder Kasten enthält Farbtafeln, die der Käufer des Kunstwerks nach eigenem Gusto verändern kann, will er seine Umgebung anders als vom Künstler vorgeschlagen gestalten. Nicht selten jedoch passiert es, dass veränderungsfreudige Kunden den Künstler bald schon fragen, ob er sein Werk nicht in die Ausgangsposition zurückversetzen könne. Weil sie festgestellt haben, dass das, was wie flexible Containerkunst wirken mag, durchaus nicht beliebig ist.
Das Werk von Jürgen Paas kreist um den Gedanken des Speicherns, des Archivierens, des Umgangs mit Dingen, die es schon gibt, und um die Idee der Konzeptionierung und Flexibilität von Kunst in der Postmoderne. Wie veränderbar ist ein Kunstwerk mit seinen Modulen, wenn der Betrachter im flexiblen Planspiel selber mitwirken kann? Wo beginnt, wo endet der Eingriff des Künstlers? Und wie speichern wir Formen und Farben?
Viele der plastisch wirkenden Farbschichtungen lagert Paas in verzinkten Stahlvitrinen, die mit dem Schraubenzieher zu öffnen sind. Eine schwarze Filmrolle aus PVC hängt vor einer türkisfarbigen Dibond Platte an der Wand und ist in den Raum hinein abspulbar. Arbeitet Paas hier mit kräftigen Kontrasten findet er in anderen Arbeiten feinst abgestufte „Unfarben“, deren ebenso künstliche wie kunstvolle Tonalität man kaum bezeichnen kann.

Sputnik I verweist auf Sputnik II, der in wenigen Tagen in Düsseldorf abgeschossen wird. In neuen Räumen und in Kooperation mit zwei anderen bekannten Düsseldorfer Galerien eröffnet Torsten Obrist hier in der Nähe der Kunstsammlung NRW eine weitere Dependance. Ein umfangreicher Katalog begleitet die Ausstellung.

Bis 2.3.2013 bei Galerie Obrist, Kahrstraße 59, mi-fr 12-18, sa 10-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen