Mittwoch, 23. Januar 2013

Imaginationen aus China

Yin Ge und Ren Zhenyu, zwei kontrastive Positionen chinesischer Kunst werden in der Galerie Schlag vorgestellt. Feine, filigrane Abstraktion und kraftvoll figurativer Neo-Pop werden in unterschiedlichen Stockwerken zeigen, mit welch thematischer Eigenwilligkeit und technischer Perfektion diese jungen Künstler ihre Bildsprache entwickeln. 

„You are my image... my imagination“ lautet der Titel der Portraits, die Ren Zhenyu von ausgewählten Persönlichkeiten malt. Andy Warhol, Che Guevara, Mao Tse Tung, Lucian Freud, Jean-Michel Basquiat, Sigmar Polke, Obama, Brigadisten und selbstbewusste Kämpferinnen Chinas, tauchen aus stakkatoartig gesetzten Spachtelschlägen aus farbintensiven, satten Bildgründen auf.

Es sind Images und Imaginationen von Künstlerikonen, Politikern, Literaten, von bekannten Größen und namenlosen, die der Künstler verfremdet „Alle  Bilder“, so Ren Zhenyu, „thematisieren den „Glauben“, den „ein Mensch, eine Nation, ein Land in sich trägt,“ das, was sie gemeinsam verfolgen und was sie voneinander unterscheidet. Klar ist, Gemeinsamkeiten und Unterschiede menschlicher Existenz zu ergründen, gelingt dem Künstler natürlich nicht. Also formuliert er Fragen in seinen Bildern. Indem er in künstliche, bisweilen grellbunte, unechte Bildwirklichkeiten kreiert, stellt er neue Images als Denk-Hypothesen für den Betrachter auf.

Fragen geben auch die außergewöhnlichen Arbeiten von Yin Ge dem Betrachter auf.  

Fadendünne Farbflüsse, netzartig leicht über die Leinwand gezogen, ergeben eine gitterartige, fließende All-Over-Struktur. Unter Verzicht auf übliche Malerwerkzeuge wie Pinsel, Spachtel, Airbrush entstehen diese Bilder durch Schüttungen. Fließende viel- und feinfarbige Überlagerungen zeigen plastische, präzise gesteuerte Farbverläufe, fein wie Nervenbahnen, dynamisch wie geologische Formationen. Dass und wie der Künstler ihren Verlauf kontrolliert und ordnet, bleibt sein Geheimnis, das er noch nicht gelüftet. Niemals dominiert  das Zufallsprodukt, niemals eine willkürlich gesetzte Geste des Malers. Vielmehr erinnern seine Bilder  an Naturprozesse in schillernden Farben und Formen, jedes ein dynamisches Universum, ein einzigartig und keines dem anderen gleich.

Bis 20.2.2012, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr

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