Dienstag, 26. Februar 2013

„...and leave yourself behind“

Alles ging ganz schnell und es ging gut. Er entdeckte die Bilder, organisierte umgehend einen Ausstellungstermin und sah die Originale drei Tage vor der Eröffnung zum ersten Mal. Anstelle eines Reinfalls erlebte der Gerd Schütte eine rundum passende Präsentation von Farbe und Licht im Raum. Die Künstlerin? Katja  Ebert-Krüdner ist eine reife, nicht mehr ganz junge Newcomerin, eine „gut geerdete, analytisch denkende, fast publikumsscheue Physikerin“, die nichts weniger als affektierten Kunstrummel braucht. Sie arbeitet, weil sie „es braucht“ und vielleicht auch, weil sie weiß, dass die Experimente rund um die Eigenwirkung der Farbe noch längst  nicht ausgelotet sind. 

Gerd Schütte ist begeistert von dem Auftritt der Bilder, weil sie „so einfach und  so präzise sind“. Sie blättern einen Bogen variationsreicher Farbwirkung auf, der  gewohnte Perspektiven ins Schwanken bringt, auch wenn sie auf kleinem Format erscheint. 

6 mal 6 Rechtecke auf Papier ergeben 36 Assoziationsfenster in Blau:  Himmelstahlbau, Wasser-, Meeresblau, Wolkenblaugrau, Grünblau, Tiefenschwarz-  blau, Eisblumenblau oder weißes, lichtes Winterblau. Horizonte, Höhen, Tiefen, weite, flache Ebenen meint man zu sehen, hingehaucht und verschwommen im Nebellicht.

Der Betrachter staunt und assoziiert munter drauflos, bis er gewahr wird, dass Figuration nicht Auslöser solcher Gedankenflüge ist, sondern ein locker horizontal und vertikal geordneter Pinselstrich. Jeder Farbstrich hat einen eigenen Verlauf, ein eigene Wirkung, eigenes Leben, scheinbar frei fließend, doch immer kontrolliert, auch wenn die Vermischung der schmalen Streifen zufällig erscheint. Bunte, hauchfeine kontrastierende Klebefolien setzen präzise Kontraste und muntere Akkorde im Reigen der einfach anmutenden Farbstreifen. Manchmal blinzt rohe Leinwand oder unbearbeitetes Aquarellpapier auf, ein anderes Mal die Maserung flacher Sperrholztafeln, die  Katja Ebert-Krüdner zum Malen fand. 

Das eigentliche Thema dieser experimentell harmonischen Blätter und des einen großen abstrakten Tafelbildes jedoch ist der Raum: Wie er sich ausdehnt und in die Tiefe strebt, je nachdem, wie die Künstlerin ihren Duktus setzt. Kompakt oder leicht, gewischt, gedrippt oder als Andeutung aufs Papier getupft. So einfach scheinbar und so gut.
bis 23.2.2013, Galerie Schütte, Essen-Kettwig, Hauptstr.4, di-fr:14.30-19.00, sa:11.00-14.00 Uhr

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