Mittwoch, 20. Februar 2013

Saltanto Madonne

So hyperrealistisch diese Schau schöner Madonnen auch wirkt, hier ist nichts echt. Illusionistisch, was die Fotografie in Szene setzt, verlockend, was die Plastik erbaut. Beide Darstellungsformen toppen, was man gemeinhin für ihre Grenze hält, beide  übertreffen sich in der Inszenierung kunstvoller Illusion.
Leonardo, Dürer, Rembrandt, sie wussten, wie man Damen der feinen Gesellschaft  repräsentativ in Szene setzt. Ihre Portraits waren Spiegel der Zeit und bleiben Ikonen bis heute. Deren kunsthistorischen Gehalt macht Mario Vargas bewusst, indem er sie ausstattet mit Attributen der Gegenwart.

Eine junge Frau posiert als Leonardos Dame mit Hermelin. Doch ihre Hand hält kein possierliches Getier, sondern den Game-Boy an entblößter Brust. Statt sozialem Status tragen die von Mariano Vargas kunstvoll drapierten Damen eine fragile Identität zur Schau. Eine von ihnen bespiegelt ihre Weiblichkeit, die andere hantiert mit Heroinbesteck, die nächste vertieft sich ins Internet. Suchende Gesten überall, Attitüden einer sich selbst erkundenden Identität.

Maskerade und Entblößung, kostbare Stofflichkeiten, malerische Farb- und Lichteffekte werden fotografiert und computergeneriert und virtuos ins Bild gesetzt. Collagierte Übergänge werden unsichtbar, die Grenze  zwischen Illusion und Wirklichkeit verschwindet.
Wie das gemacht ist, mag man sich auch bei Carol Feuerman fragen, die ihre Plastiken so detailliert in Kunststoff gießt, dass sie aussehen, als wollten sie jeden Moment ins Leben treten. Eine selbstvergessene Aura zwischen Ruhe und zielgerichteter Aktivität strahlen sie aus. Die „Schwimmerinnen“ stammen aus einer Serie, deren übergroßen Exponate New Yorker Plätze zieren. Hier sind sie in kleinem oder fast lebensgroßen Formt zu sehen, doch dabei ebenso detailliert. Nach Wimpernkränzen um geschlossene Augen, Wassertropfen oder Härchen auf feinporiger Haut möchte der Betrachter reflexartig greifen.

Neben den Schwimmerinnen werden Exponate der 80er Jahre gezeigt, spotartige, in Plastilin gegossene erotische Anspielungen, die mehr verbergen als zeigen. Eine männliche Hand ruht auf weiblicher Hüfte, Vorher und Nachher bleiben ausgespart. Der Betrachter assoziiert, die Künstlerin deutet an. Denn mehr als um vordergründige Erotik geht es  um eine existenzielle menschliche Befindlichkeit. Tiefgründig und in sich gekehrter Individualität führt Feuerman ihre Figuren vor in einer verdichteten Atmosphäre, die zu finden in der Pop-Art undenkbar ist.

Bis 12.3., Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, mo-fr 10-18.30, sa 10-15 Uhr 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen