Donnerstag, 28. März 2013

David Lynch in der Galerie Obrist


Eraserhead, Wild at Heart, Blue Velvet, Twin Peaks .... wer diese Filme des Kultregisseurs kennt, weiß, wie David Lynch dunkle Seiten der amerikanischen Gesellschaft inszeniert.
Aufgewachsen in den 50ern kennt er das Gesicht einer satten Mittelschicht, die Ideologie von Romantik, Liebe, Geborgenheit samt ihrer verdrängten Kehrseiten: Trieb- und Lasterhaftigkeit, Gewalt und Exzess. David Lynch formt aus Banalem den Horror, lässt Gewalt neben Komik bestehen oder den Alltag in Mystisches umschlagen. Manchmal läuft alles auch umgekehrt, denn jedes Ding, jeder Mensch birgt ein Gegenteil: Pathos Destruktion, Schicksal Zufälliges, Komplexes Banales. All das wird in großen metaphorischen Bildern gezeigt. Rückgriffe auf den film noir gehen ein ebenso wie Referenzen an die Bildende Kunst, an Maler wie Dali, Hopper, Bacon.
Geboren 1946 in Montana, besuchte Lynch 1966-1970 die Pennsylvania Academy of Fine Arts in Philadelphia und studierte dort freie Kunst. Seine erste Einzelausstellung fand 2009 im Max-Ernst-Museum statt. Wen also wundert’s, wenn die Fotografie solch einem filmischen Werk seit langem zur Seite steht? Dass auch diese überraschende Blickwinkel hat, belegt die Ausstellung, die Torsten Obrist in Kooperation mit Epson zusammengetragen hat. Mit klarem Konzept werden die Arbeiten ästhetisch brilliant präsentiert, Schwarz auf Weiß mit Grautönen, die Kontraste konturieren, ohne ihnen die Schärfe zu nehmen. Ein cooles Highlight ist diese Ausstellung, das in der Essener Kunstszene Experimentierfreudigkeit unterstreicht.
Schaurig schrill klingt „Emiliy Scream“ - ein Schrei aus Lust oder Angst, man weiß es nicht. Daneben hängen Digigrafien der Serie „Light Cigarette“, die im Sekundentakt Abgründiges aufblendet und wieder verschwinden lässt. Ein blasses Gesicht folgt, dann eine Damenhand, dazu Schriftzüge aus weißem Licht auf nachtschwarzem Grund. In gleißende Helligkeit werden bleiche, nackte Frauenkörper getaucht, man erkennt sie schemenhaft und doch detailliert. Seltsam entrückt wirken diese Ausschnitte von Torsi in ihrem geisterhaften Bühnenauftritt. Schaurig schöne Phantasien lösen sie aus, öffnen Türen in die Welt des Verbotenen, des lang Verdrängten.
Natürlich mündet solch eine Arbeitsweise im abstrakt Surrealen, in Sternenhimmeln und frei schwebenden Galaxien. Das Irreale, das Intuitive geht ein in die kühle Komposition der Bilder, per Mausklick und digitaler Linie gemacht. Mit Überblendung und Weichzeichnung sind sie voll von elektrisierenden Ungereimtheiten. „Es ist egal, wo eine Sache anfängt, was zählt, ist darauf zu achten, wohin die Ideen dich führen“, sagt David Lynch zu seiner Arbeitsweise. (Autor: Christiane Dressler)

Bis 20.4.2013, Galerie Obrist, Kahrstraße 59, Mi-Fr 12-18, Sa 10-16 Uhr.

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