Samstag, 23. März 2013

Ein Tribut an David John Flynn

Diese zarten, feinfarbigen Arbeiten sind noch reduzierter als all das, was man bisher von David John Flynn kennt. Unregelmäßige, biomorph wirkende Formen mit zittrigen Konturen und flimmernden Kontrasten gibt es nur auf einem Bild dieser ebenso farbig wie monochrom wirkenden Schau zu sehen. Alle anderen dieser in den letzten zwei Jahren entstanden Arbeiten des in England geborenen Künstlers kommen ohne definierbare Formen aus.
Farbig, doch niemals grellbunt strahlt jedes Bild in den Raum, hier besonders intensiv im Neonlicht. Erlischt es, glühen die Arbeiten fort, ist es eingeschaltet, entfalten sie eine nachhaltige Netzhaut- und Wahrnehmungsirritation. In vielen Farbschichten wie hinter Nebeln verschwinden grafisch gesetzte Zeichen. Mit Schablonen aufgetragen werden sie bis zur Unkenntlichkeit verwischt. 

Der Betrachter mag naturhafte Prozesse assoziieren, Verwitterungsspuren vielleicht, doch gemeint ist das nicht. Nummerierungen tragen die Bilder statt Titel. Pigmente, gebunden mit Dammaröl werden mit Wachs auf Leinwand, Nessel oder Papier gebracht. So entstehen Oberflächen, transparent und tiefgründig wie visuell nicht greifbare, doch permanent pulsierende Farbflächen.
Was also bezweckt ein Künstler, wenn er mit Schablonen gesetzte Zeichen hinter diffusen Farbschleiern verschwinden lässt? Nicht um den Gegenstand geht es ihm, sondern um ein prozessorientiertes Resultat. Kennt man den Künstler und die Präferenz des Galeristen, dann weiß man, dass hier ein neuer Vorstoß unternommen wird, an die Grenzen der Wahrnehnung vorzudringen.  
David John Flynn erarbeitet Farbräume, in denen sich Erinnertes mischt mit dem Moment des sich in der Gegenwart Ereignenden. Bühnen für Wahrnehmung werden erstellt, in die „kleine Andenken“ an die Welt eingeflochten werden, nur um sich darin aufzulösen. Bewusstseinsfallen sind es, die der dem Betrachter stellt, um dessen Wahrnehmung zu schärfen. - Damit er reflektiert  vorgeht im Hinterfragen und Konstruieren der Welt.
Flynn, geboren 1952, gehört zu der Generation von Künstlern, „die über das Anders-Sehen der Welt dem Betrachter neues Sehen beibringt“, in Abgrenzung zum Fühlen des Informel und dem Gegenstandsfetischismus der Pop-Art.
Bis 27.4. 2013, Galerie Schütte, Hauptstr. 4, E.-Kettwig, Di-Fr 14.30-19, Sa 11-14Uhr
Am 22. 4. 19 Uhr findet im kunst-raum der Scheidt’schen Hallen, Tor 1, Ringstraße 51 in Kettwig die Eröffnung der Ausstellung mit Nina Brauhauser statt. Öffnungszeiten: Sa: 14-18, So 11-18 Uhr u.n.V. 02054-4871753 u. 0172-9446028

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