Freitag, 22. März 2013

Time waits for no one...

Sieben Füchse, sieben braunfarbige Portraits lassen den Blick des Betrachters nicht los. Warum diese Wiederholung scheinbar beiläufiger Motive, mag man sich fragen, angesichts der bekannten Vorliebe des Künstlers für starke Kontraste in popartig markanter Lineatur?
Erst wer genau hinschaut, registriert die feinen Unterschiede im Ausdruck der Augen und todernsten Minen, so ganz untypisch für das, was man Gevatter Fuchs gemeinhin unterstellt. Keine verschlagene Bestie begegnet uns hier, sondern ein menschlicher Gesichtsausdruck, den man von Benachteiligten, Ausgeschlossenen oder Minderheiten kennt.

„Outsider“ lautet der Bildtitel, der dem kinokundigen Betrachter eine Deutung erschließt. Hollywoodgrößen tauchen in der Erinnerung auf, Matt Dillon, Tom Cruise oder Patrick Swayze, dazu ein Regisseur, der für ein 10 Millionen Dollar-Budget ein goldglänzendes Melodram mit altbekannten amerikanischen Klischees frisch aufpoliert. Bandenromantik, umher streunende Gangs, Gewaltausbrüche zwischen „Greasers“ und „Soccs“ kamen dabei heraus, ganz im Sinn von „denn sie wissen nicht, was sie tun“.
Solch konventionelle Bildsprache stellt Derek Curtiz bloß. Mit präziser Beobachtung und einer guten Portion bissig britischen Humors findet der in London lebende Künstler seine Themen. Der Alltag, die Menschen, die Medien sind ihm Vorlage genug. In der Fantasie gewinnen sie groteske Formen, in Autolack fließen sie auf Aluminium. Putzfest, stabil und lichtunempfindlich werden die Bilder, samtweich und warm die Oberfächen.
Paradiesische Landschaften mit märchenhaftem Inventar, bürgerliche Klischees samt ihrer tief verdrängten Wünsche werden auf Bildflächen gebannt, die grell und bunt, künstlich und vielversprechend wie perfekte Filmplakate sind. Was bei Curtiz in Lack gerinnt, sind Allegorien und Abziehbilder, medial gemixt und gut geschüttelt,  durchzogen von der bittersüßen Fantasie des Künstlers. Der Kuss von Rodin prangt im knallroten Wohnzimmer, Magrittes Lokomotive neben bürgerlichem Kamin. 
Das und viel mehr findet  man in der neu renovierten Galerie, wo der Blick ins Schaufenster nun auch spannende Einblicke ins Untergeschoss gewährt. Dort und im oberen Stockwerk werden in wechselnder Hängung brandneue Arbeiten von anderen Künstlern ausgestellt.
bis 6.4.2013, kunst-raum Schulte-Goltz+Noelte, 
Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16

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