Dienstag, 23. April 2013

„Das Bier, die Ballnacht und der Morgen danach“...

Aldo Cristofaro vergleicht seine Bilder mit einer Partitur. Locker, harmonisch, mit einer Spannung, die zwischen den Farben schwebt, Farben, die sich niemals zu Nahe kommen, obwohl sie in konzentrierter Komposition scheinbar ungeordnet auf der Leinwand liegen: Pinselstriche und Dripping-Spuren, geschüttete und sparsam gesetzte, solche, die aus einer Körpergeste oder freiem Farbverlauf resultieren.  Gehalten werden sie durch eine grafische Lineatur, gesteuert durch die Handschrift des Künstlers. Traumsicher versteht er es, dem Zufall Ordnung und der Ordnung lebendige Leichtigkeit abzugewinnen. Man mag an Mozart denken beim Betrachten der Bilder und liegt dabei trotz aller Unterschiede nicht schlecht.



Kunstkenner dagegen assoziieren Tachismus, die Art Brut oder das Informel, nicht figurative Kunstrichtungen jedenfalls mit ausdrucksstark gestischer Farb- und Formensprache.
Schaut man näher hin, widersprechen die Bilder, leisten Widerstand gegen jede Einordnung und jeden Vergleich. Unwiderruflich positionieren sie sich in der Gegenwart. Neonfarbiges schimmert aus klassischem Nachtblau. Strahlendes Weiß bändigt eine massive Form und Linien durchziehen ein gestisch gemaltes Gefüge, das, gegenständlich nicht lesbar, dennoch niemals der Abstraktion verfällt. Aus jedem Zentimeter Distanz davor dem Bild liest der Betrachter ein neues Bild, ein anderes als das, was zu sehen, er angetreten ist. Dabei folgt er seinem eigenen Rhythmus oder auch dem Bildtitel als Assoziationsauslöser.
„Das Bier, die Ballnacht und der Morgen danach?“ Klar ist, diese Bilder sind durch und durch urban. Bleischwer lauert der Absturz neben der Leichtigkeit des Seins. Und all diese Facetten der Wirklichkeit wollen dekonstruiert und neu gesichtet sein.

Aldo Cristofaro, 1970 im Städtchen Scordia auf Sizilien geboren, lebt in Berlin, lebt dort gerne und gut. Er liebt die rauen Fassaden, die Hinterhöfe und taghellen Lofts, das Kaputte, Geflickte, neu Entstehende, den Charme und die Nonchalance, mit der die Vergangenheit eine neue Zukunft schreibt.
Als „Sammler seiner visuellen und audiellen Umgebung“, so der Künstler, beobachtet er Menschen, Muster, Strukturen. Er registriert Töne, Rhythmen, Frequenzen und bannt sie in Bilder: das große Event, den Rausch, den Morgen danach, das Außergewöhnliche und seine banalen Kehrseiten.
Gefördert von A.R. Penck und Baselitz, ausgestellt mit Hirst und anderen Spitzenkünstlern der Gegenwart läuft Cristofaros Sache rund. 
Bis 25.5.2013, Galerie Ricarda Fox, Liverpoolstr. 15, Mülheim   

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