Dienstag, 30. April 2013

Kleine Stillleben von Pavel Feinstein bei Klaus Kiefer

Neue und spannende Arbeiten von Pavel Feinstein werden bei Klaus Kiefer gezeigt. Wer den Künstler und seine Malweise kennt, wundert sich, denn dieses Mal sieht manches anders aus. Aquarell statt hochfeiner Ölmalerei, harmlose Motive statt unheimlicher Stillleben, in denen Grusel und Grauen zu Hause sind. Das Großformat der altmeisterlich glänzenden Bilder ist dabei auf handliches A3 geschrumpft. 

 
Was wir in dieser Ausstellung sehen, sind motivisch reduzierte Stillleben, vorwiegend „Stücke von Fisch und Fleisch“, so der Künstler, der sich humorvoll aufgeräumt zeigt. Ein Fisch an der Gräte, ein Stück Fleisch, aus dem Knochen ragen, nichts Ungewöhnliches, wenn da nicht die magische Zahl sieben wäre. Auf einem anderen Bild taucht eine gehäutete Apfelsine auf, ein Kopf Kohl, ein Glas mit einem Stückchen Rettich vielleicht. Ein kleines, ganzfiguriges Selbstportrait eröffnet die Schau, in dem der Künstler sich selbstironisch von seiner entblößten Seite zeigt.
   
Eine zu wenig beachtete Seite des hoch anerkannten Werkes wird neu präsentiert. Einige Stillleben muten wie Motivstudien musealer Arbeiten an und dennoch führen sie ein Eigenleben. 

Nature morte, tote Natur, so bezeichnen die Franzosen die Darstellung lebloser Dinge, losgelöst von ihrer natürlichen Umgebung, ihrem ursprünglichen Daseinszusammenhang. 

Einen ganz anderen Zug entdeckt man in den Stillleben von Pavel Feinstein. Neben der offensichtlichen Leblosigkeit gibt der Künstler seinen Motiven einen ursprünglichen und mystischen Bezug zurück. Einen Bezug, der die vertrauten Dinge lebendig macht, manchmal vielleicht mehr, als es uns lieb ist. Eine unheimliche, magische Eigendynamik liegt über diesen Krustentieren und dunklen Broten, den vergessenen Gläsern, Frucht- und Fleischstücken. Sie sprechen ein wenig traurig und bisweilen sarkastisch von ihrer irdischen Begrenzung in einem ebenso traumhaften wie alptraumhaften Dasein. Und wenn sie einem zusätzlich magisch und düster erscheinen? Dafür könne er nichts, sagt der aus Moskau stammende Künstler mit jüdischen Wurzeln hintersinnig humorig. Er male schließlich und sei nicht immer verantwortlich.  

Bis 8.6.2013, Galerie Klaus Kiefer, Rüttenscheider Straße 56, di-fr 11-18.30, sa 11-14 Uhr

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