Dienstag, 2. April 2013

You are the world

Bunt, ja fast grell wirkt die Schau mit wandfüllenden und kleinformatigen Arbeiten von Anton Petz. Schon lang durch die Galerie Klose vertreten muten die Malerei des in München lebenden Künstlers flächen- und farbintensiver an als in der letzten Einzelschau. Zur Erinnerung: Damals stellte der Österreicher Künstler Börsenbilder vor, in denen er das hektische Treiben der Banker in bunten Brauntönen portraitierte. In Luftaufnahmen aus der Distanz zeigte er sie, Assoziationen zu Ameisen und deren Organisation konnten aufkommen. Heute weiß man, was passiert, wenn eine vermeintlich geordnete Struktur zerbricht.
Petz zeigt medial vermittelte Motive mit merkwürdig ambivalentem Gehalt. Freizeit-, Kriegs-und Flüchtlingsszenen hängen einträchtig ohne inhaltliche Hierachie an der Wand. Gemalt in knall- bisweilen neonbunten Farben, aus gestischen Pinselschlägen treffsicher gebaut gleichen die Oberflächen einem tektonischen Gebilde. Fest gefügt, abstrahiert von naturalistischen Details ordnen sich Bildgegenstände in die Struktur des Ganzen ein.

„Was mich beim Malen interessiert, ist die Frage, wie weit man Farben treiben kann, bis ein Bild auseinanderbricht.“ Mit dieser Aussage betont Petz die künstlerische Intention seiner Bilder. Das Primat gilt der Organisation des Bildes, der formalen und der wahrnehmungstheoretischen. Fragen nach dem Zusammenhalt der Farben und dem Abstraktionsgrad der Malweise werden gestellt. Welche formalen Zeichen müssen erhalten bleiben, damit man Inhaltliches assoziiert, ohne dass es eigens auf der Bildfläche abgebildet ist? Aus diesem Grund arbeitet Petz mit  Aussparungen von Details, einer Jacke, einer Hand, eines Gesichts, denn nicht das konkrete Einzelne ist gemeint.

Natürlich geht es ihm nicht nur sondern vielleicht auch primär um die Macht und Ohnmacht der Bilder. Petz greift auf  spezifische, jedoch gefundene Vorlagen aus dem Internet zurück. Welche Wahrheiten enthalten sie? Wie prägen sie Wahrnehmung, wie manipulieren sie Wirklichkeit? Während Informationen in der medialen Zirkulation zerfallen, kommen sie in der Malerei zum Stillstand. Die Boatpeople, ihre Hoffnungslosigkeit und Isolation, die Aufständischen im Nahen Osten, als Sieger oder Flüchtlinge, die Ansammlung von Besuchern eines Raver-Events oder die flüchtige Struktur von Passanten vor dem Centre Pompidou.

„Meine Arbeit der letzten Jahre ist eine Auseinandersetzung mit Phänomenen der Globalisierung anhand vorgefundener Medienbilder. Durch die Malerei zum Stillstand gebracht, ergibt sich Raum zur Diskussion soziolgischer und politischer Fragen...“ so der Künstler.
 
bis 23.4.2013, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, Mo.-Fr. 10-18.30, Sa. 10-15 Uhr

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