Samstag, 4. Mai 2013

Learn to fly ... David Uessems Debut im Kunstraum

Hip sein heißt cool sein, heißt stark sein, geradeaus zu blicken und den eigenen Weg zu bahnen. Mit David Uessem hat Colmar Schulte-Goltz einen professionellen Jungstar entdeckt, hochtalentiert und ästhetisch innovativ. Smart und dynamisch malt er wie ein Altmeister das Portrait der Generation Y - und sprengt dabei jede Malkonvention. Ausgerechnet Portraits hat er sich ausgesucht, eine Kunstgattung, die älter als klassisch ist, und der man kaum Neues hinzufügen kann. Das jedenfalls kann ein Betrachter vermuten, der diese Arbeiten nicht kennt. 


  Mit Kopfhörer, Fliegerkappe und Football-Helm treten die meist männlichen Models an, den Blick geradeaus und ohne Emotion. Aus der Nahsicht brennen sich ihre lichtglänzenden Blicke aus kristallklaren Pupillen ein, frontal, unausweichlich, sie lassen nicht los. Eindringlich ist die Präsenz der Dargestellten, hyperrealistisch die Malweise. Makellos sind alle Menschen und perfekt, auch wenn sie Fältchen und kleine Blessuren zutage tragen. Abbruch tut dies ihrer jugendlichen Schönheit nicht, denn gerade diese ist „bis in die letzte Pore erfasst“, so der Galerist. 

Doch bei aalglatter Perfektion bleibt Uessem nicht stehen, denn er sucht mehr als ein vordergründiges Programm. Mit 120-prozentiger Sehschärfe dringt er unter die Haut. Er seziert die glatten Oberflächen, zoomt sie heran, bläst sie auf. Er übertreibt und übersteigert die Farbe, leuchtet sie grell, bisweilen bis ins Unerträgliche aus. Dabei liebt er diese leicht schrundigen Oberflächen, durchwühlt sie malerisch, analytisch und liefert sie der zeitgenössischen Betrachtung aus. 

Hat er das Perfekte geschaffen, zerstört er es - mit dem Risiko, dass das Bild zerfällt. In seine ursprünglichen Bestandteile, ins Medium der Farbe, die Materie, die es ausmacht, und wovon das Bild lebt. Uessem ist streng mit seinem Perfektionsanspruch, doch nicht gnadenlos. Er lässt uns den Schein dessen, was er Schönes schaffen kann, bevor er zu Rakel, Quast oder bretthartem Pinsel greift. Um die perfekten Oberflächen zu zerstören und manche Partien bis zur Unkenntlichkeit zerfließen zu lassen.

Und so kann es kommen, dass ein kussroter Mund zur Blutspur gerinnt, Gesichter zerfransen, perfekte Konturen aus der Spur geraten. Dass der Dandy mit seiner Zigarre zerfließt oder ein jugendlicher Schönling zum glühenden Priester mutiert. 

Man kann diese Bilder lesen als Hymne an die Schönheit und ihre Vergänglichkeit, an die Kunst und ihre trügerische Abbildhaftigkeit. Doch bierernst ist es dem Künstler bei alldem nicht. Zu fest und positiv ist er im Zeitgeist verankert, den er ihn bisweilen ironisch bricht. Z.B. wenn ein Selbstportrait für seinen Personalausweis nutzt. 

bis 1.6.2013, Kunstraum Schulte-Goltz+Noelte, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

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