Dienstag, 4. Juni 2013

Neue chinesische Malerei


Zweimal chinesische Malerei wie man sie sich wünscht, wenn sie aus dem Reich der Mitte kommt, wird in der Galerie Schlag vorgestellt. Filigran und handfein gemacht, werden zarte Farben und abstrakte Formen zu Harmonie und perfekter Synthese gebracht. Von Künstlern, die auch in ihrer Heimat hoch anerkannt sind, denn zu eindeutig ist ihre Wertschätzung auf dem internationalen Parkett. Während Chen Qiang mit Familie und Dolmetscher bei der Eröffnung anwesend sein konnte, konnte Liang Quan aus Shenzhen nicht ausreisen. Beide Künstler haben traditionelle, chinesische Malerei gelernt, bevor sie der zeitgenössischen Abstraktion mit ihrer  Beschränkung auf Farbe und Form verfielen. Beide bekleiden Dozentenstellen und Professuren, beide verzichten auf Betitelung der Bilder, da diese, wie Chen Qiang (geb.1960) sagt, irreführend sind. Seine Werke seien lebendig und man solle „sie wie Spiegel betrachten, ein jeder... hineininterpretieren, was er dort sieht.“ 


Wer das aus der Nähe versucht, ist mit einer großen Aufgabe konfrontiert. Man   staunt: Über die unfassbare Anzahl von in Schichten übereinander gesetzter rasterartig rotierender Punkte und Kreise, erst auf fließendem Tuschegrund, dann mit Öl  silberkreiselrund aus der Tube auf die Leinwand gedrückt. Ein jeder Punkt trägt eine Außenlineatur, ein jeder steht für sich, in einem Universum, das aus der Ferne betrachtet eine farbig zurückgenommene Struktur ergibt. Was erst feinglänzend gemalt wurde, wird später zerkratzt und mit einer grafischen Schraffur überzogen, bestehend aus nadelfeinen Linien. 

Hochkonzentriert wirkt der in Shanghai lebende Künstler, der seine Arbeit demnächst  auf wandgroße Formate ausdehnen wird. Einzelne sind schon in Privatsammlungen und öffentlichen Museen zu entdecken.  



Meditation und Malerei sind seine Leidenschaft, die eine vom Zen Buddhismus, die andere von traditionellen Materialien inspiriert. Liang Quan, 1948 in Shanghai geboren, versucht seine Arbeiten wirken zu lassen, als sei die Handschrift des Künstlers unsichtbar. So wie die Dinge in ihrer Nicht-Existenz verschwinden, wenn das Wesen von Zen spürbar ist.  

„Diagramme chinesischer Landschaften“ sind zu sehen auf Reispapier, getränkt mit Tusche und Tee. Rechteckige Flächen bilden ein Grundgerüst, werden strukturiert durch feine Konturlinien und zartfarbiges Aquarell. Man meint Landschaftsparzellen von oben zu sehen mit Wegen und vereinzelten runden Flächen. Leicht, zart und weit wirken sie, wie ein Urgrund, aus dem der Fluss des Lebens spricht. 
   
Bis 29.5.2013, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, Di-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen