Samstag, 13. Juli 2013

Die Avantgarde gibt niemals auf....


Es scheint, als habe sich Torsten Obrist mit dem Umbau der Galerie vollends vom Mainstream befreit. Sein seit langem schon eingeschlagenes Ausstellungskonzept hat er radikalisiert und das inhaltliche Profil noch geschärft - um konsequent dem konzeptionellen Kurs zu folgen. Und der liegt weit jenseits des dekorativ gefälligen, wohnzimmer-tauglichen Formats. Raumgreifende Installation, Fotografie, abstrakte und abstrahierte Malerei mit eher sperriger Ästhetik werden favorisiert. Nicht der schöne Schein wird konserviert, sondern eine avantgardistische Kunst, die im Essener Raum eigene Wege beschreitet.
Mit Julia Willms stellt Obrist Videokunst vor, die sich auf Malerei bezieht. Eine Videokunst, die der Geschwindigkeit des gefilmten Bildes das Prinzip der langsam gerinnenden Zeit gegenüber stellt. Fast alle der hier ausgestellten, museal anmutenden Installationen thematisieren die Differenz des gefilmten und gemalten Bildes, die Differenz von Wirklichkeit und Reproduktion im Medium der Videokunst. Dabei werden die Medien, auf die sich Willms bezieht, hinterfragt, als erstes und ranghöchstes die Malerei.
Die Ausgangssituation? Ein Maldiktat, präsentiert im 120-Minuten-Film. Zwei Künstler bringen zur Leinwand, was der Kunsthistoriker beschreibt: eine Mona Lisa mit Bärtchen a là Asger Jorn. Auf Monitor und wandhoch projiziert verfolgt der Zuschauer die Interaktion. Heraus kommen Bilder, die der Vorlage überraschend ähneln. Und die Unterschiede zwischen Vorlage und gemalter Kopie sind nicht etwa den ausführenden Künstlern zuzuschreiben, sondern der Differenz zwischen Sprache und Bild.
Ein Bild sagt Konkreteres als ein Wort. Das wusste schon Magritte, auf den Julia Willms sich in der audiovisuellen Installation „The Picture“ zitierend bezieht. Dem surrealistischen Vorreiter fügt die Amsterdamer Künstlerin neue Aspekte hinzu. Die Interaktion von Zuschauer, Film und Malerei und die Atmosphäre, die sie in jedem Werk, sei es Film oder Fotografie anders kreiert. Dominiert in dem „Maldiktat“ die analytisch experimentelle Situation, so ist es in „The Picture“ die Verwandlung von Raum und Bild. Und in den digitalen Collagen zieht eine rätselhaft phantastische, bisweilen düster anmutende Atmosphäre auf. Meer und Dünenlandschaft dringen in Dachböden und Keller ein, blühende Wiesen in verlassene Räume mit abblätternder Farbe. Kultur und Natur befinden sich in fragilem, vorapokalyptischem Gleichgewicht.

Bis 24.08.2013, Galerie Obrist, Kahrstraße 59, Mi-Fr 12-18, Sa 10-16 Uhr
Vom 21.- 29. 06. 2013, A World, eine Installation in den Düsseldorfer Räumen, Mutter-Ey-Str. 5

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