Donnerstag, 18. Juli 2013

Mit Hans Salentin durch die Galaxis


Die Museen Morsbroich und Mülheim und zum Glück Gerd Schütte in Essen - sie alle haben den individualistischen Zerokünstler Hans Salentin wiederentdeckt. Zeitgleich werden neue Aspekte des 2009 verstorbenen Bildhauers, Malers und wohl progressivsten Vertreters der sich in den 60-ern neu formierenden Kölner Kunstszene gezeigt. Objekt, Malerei, Zeichnung, der Fundus, den man bergen kann, ist noch lang nicht erschöpft.


Collagen und das plastische Werk werden in Leverkusen und Mülheim, Fotomontagen und farbige Zeichnungen in Essen ausgestellt. Und dies ist die vielleicht persönlichste Schau mit zarten, eigenwilligen Papierarbeiten im kleinen Format zu noch erschwinglichen Preisen. Nach 1990 und 1992 ist es die dritte Einzelausstellung in der Galerie Schütte, die durch besondere Aktivitäten des Galeristen zustande kam. 

Das erste Ausstellungsgesuch des Galeristen lehnte Salentin ab. Zu jung seien die dort repräsentierten Künstler, Schützenhilfe wolle er ihnen nicht geben. Daraufhin fragte Schütte, ob er Salentins Flügel ausprobieren dürfe und spielte ein Prélude von Rachmaninow. Wenig später kam der Anruf des Künstlers, die Ausstellung könne stattfinden, und Gerd Schütte griff begeistert zu. 

Nach Anfängen bei der Düsseldorfer Zero-Gruppe entschied sich Salentin (Düren 1925-2009 Köln) um 1960 für einen eigenen Weg. Ausgangspunkt war die getupfte und gestrichelte Malerei des Tachismus, die er durch die Verwendung von Fundstücken ins Objekthafte übersetzt. Parallel dazu, das ist der Ausstellungsschwerpunkt in der Galerie Schütte, entsteht ein umfangreiches Oeuvre von Papier- und Leinwandarbeiten, die ebenso wie die Skulpturen auf den Prinzipien der Collage und Montage beruhen. 

Aus Zufallsaufnahmen der für die Skulpturen gesammelten Fundstücke fertigt Salentin ab 1971 Zeichnungen und Fotocollagen an, die er zerschneidet und assoziativ in neue Kontexte überführt. Im Spannungsfeld zwischen Ordnung und Chaos, Konstruktion und Dekonstruktion vermitteln sie irreale Raumillusionen und die Atmosphäre einer fernen  Science-Fiction-Welt.  

Phantastische Strichcollagen ergänzt er mit Ausschnitten aus Gebrauchsanweisungen und technischen Zeitschriften oder kehrt sie um ins Negativbild. Auf jeden Fall lädt Salentin alles, was er sieht und findet, inhaltlich neu auf. Maschinen und Konstruktionsteile erscheinen "durchsichtig und kühl und wirken wie Gerippe ohne Fleisch und Haut" (Pavel Liska, 1990) 34 

bis 7.9.2013, Galerie Schütte, Essen-Kettwig, Hauptstraße 4, Di-Fr 14.30-19.00, Sa 11-14 Uhr

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