Dienstag, 9. Juli 2013

Selbst mit Sonnenhüten

Italien. Seit jeher übt das Land, wo die Zitronen blühen, auf Künstler diesseits der Alpen eine fast magische Anziehungskraft aus. So auch auf die Berliner Malerin Bettina Moras, die viele Jahre in Rom verbracht hat und die es auch heute noch regelmäßig in die ewige Stadt am Tiber zieht. Viele ihrer Bilder sind Reminiszenzen an diese Zeit, die sie mit ihrer unverwechselbaren künstlerischen Handschrift lebendig werden lässt.
Eine geheimnisvolle Rolle in der Bilderwelt von Bettina Moras spielen Puppen, Totenschädel, Uhren und Knollen, die wie Symbole der Vergänglichkeit immer wieder auftauchen und sich türmen in stilllebenartigen Bildern, die bisweilen schwer und ein wenig dunkel scheinen. Besonders dann, wenn kräftige Farben braun und erdig nebeneinander stehen oder mit kreisend expressiven Pinseldrehungen, die Gegenstände von innen heraus aufwühlen. Diese Bilder kontrastieren hier mit einer Serie von Selbstportraits.

 „In meiner Malerei dokumentiere ich mich und meine nähere Umwelt. Dabei suche ich den Menschen bzw. den Gegenstand in dem Moment zu ergreifen, in dem er sich schenkt.“ 

Dass diese Momente Geschenke sind, sieht man spätestens dann, wenn Bettina Moras so wie bei der Eröffnung anwesend ist. Wenn sie sich vor ihren Bildern bewegt mit einer Natürlichkeit, die auf die Kunst zurück wirkt. Der Betrachter vergleicht unwillkürlich Kunst und Modell. Große, warme Augen, sinnliche Lippen, hohe Wangenknochen, den Zügen des Portraits haftet weltzugewandte Wachheit an. Die Kleidung des Models trägt die Künstlerin und im Kontakt mit ihrem kleinen Sohn setzt sich das Bild fort. 

Es sind in der Tat natürliche und alltägliche Momente, die sie einfängt: eine Drehung der Schulter, der prüfende Blick in den Spiegel, ein Moment ruhigen Verweilens. Erstaunlich ist die Fähigkeit von Bettina Moras, sich selbst Modell zu sitzen. Bei Männern eine beliebte Selbstverständlichkeit, erfordert es bei Frauen offenbar große Gelassenheit. So mag eine andere Künstlerin der Galerie, bekannt mit großartigen Kinderportraits, sich selbst als Modell und Motiv eher nicht.

Bis 28.8.2013, Galerie Klaus Kiefer, Rüttenscheider Str., Di-Fr 11-18.30, Sa 11-14.00  

Biografie

Stationen • geboren 1975 in Freiberg (Sachsen), 1994-1999 Magisterstudium der Romanistik, Germanistik und Geschichte an der TU Dresden, 1996-1997 Studienaufenthalt in Pisa, 1998-1999 Studienaufenthalt in Grenoble, Zeichen- und Aktstudium an der École des Beaux Arts Grenoble, 2000 an der Accademia di Belle Arti di Roma, 2005  an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Malklasse Prof. Ral Kerbach, seit 2006 Diplom und freischaffende Künstlerin in Berlin und Rom

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