Dienstag, 23. Juli 2013

Stelldichein

Ein grandioses Sommerfest mit einer großen Schau feiert Frank Schlag als Schlusstakt einer innovationsreichen ersten Jahreshälfte.   

Präsentiert werden zwei Künstler, sie haben zusammen in Karlsruhe studiert, die  ihre Arbeiten gern gemeinsam zeigen, da sie grundverschieden und dabei ähnlich sind. Perfekte figurative, ideologisch unabhängige Positionen der Malerei präsentieren sie, surreal, abgründig, vielschichtig und deutungsoffen. 


Gama aus Berlin rückte mit einem ganzen Fernsehteam an. Einen Spielfilm über die steile Karriere des aus der Mongolei über China nach Deutschland gekommenen Künstlers will man drehen, dessen Handschrift bereits ausgereift war, als er bei Gustav Kluge in Karlsruhe das Studium begann. Filmischen Stoff bietet die Vita des 36-jährigen Gama genug. 

Das Nomadentum seiner Kindheit kehrt bis heute in seine Bilder ein. Trockene Steppen,  glühende Horizonte, der Mensch, der durch Landschaften zieht, suchend,  ausharrend. Erdiges Land im bühnenartig offenen Raum, Begrenzung kennt diese Kunst nicht. Eine selbstverständliche Gleichzeitigkeit bindet die Motive in ihren skurrilen Verbindungen ein - wie in einem Traum, der fremd und bizarr, jedoch selten existenziell gefährdend ist. Gelassenheit ist der Grundtenor, auch wenn Sonderbares passiert. Der Totenschädel trägt ein Hirschgeweih, ein Wolf zwei Köpfe, Männer schaufeln in rotgetränktem Innenraum Erde. Schamanen führen beschwörende Rituale aus. 

Neue Elemente treten seit der letzten Ausstellung hinzu. Neonfarben und metallische Töne entrücken das Bild. In grellgelbe, giftgrüne oder orangefarbige Bildleisten gefügt wird es zum Objekt mit lichtgefüllten Schattenfugen. Kunsttheoretische Reflexionen werden formuliert. Fläche und Raum, expressiver und gegenstandsbezogener Farbauftrag stehen sich gegenüber. 


Kunsttheoretische Fragen bewegen auch Johannes Vetter, wenn die er die Illusion des gemalten Bildes plötzlich verschwimmen und in diffuse Leerstellen münden lässt. Als wolle er sagen, „die Malerei ist Fiktion, was ich male, gibt es nicht!“ Abdrücke des Abgründigen tun sich in seinen Bildern auf. Schwer verdaulich, schwer greifbar balanciert seine Kunst auf dem sehr schmalen Grad zwischen Albtraum, Verdrängung und Wirklichkeit. 

Kinder malt er in ausschnitthaften Situationen, die dem Alltag entnommen sein könnten, es aber nicht sind. Er inszeniert sie im Atelier. Düster doppeldeutige Situationen, die kippen, je nach dem, wie der Betrachter sie füllt. Ein blondes Mädchen mit blutrotem Mund, der eines Jungen tiefbraun verschmiert, ungläubig stehen und staunen Kinder über eine Situation außerhalb des Bildes. Ein Mädchen hat den Kopf verhüllt, eines schaut tief in ein gralgolden strahlendes Gefäß. Bildtitel wie „Zeugen“, „Vater“, „Ich will dein Leben nicht“ eröffnen eine zweite unheilvolle Dimension, zeigen Kinder als Opfer und Täter im Spannungsfeld zwischen Märchen, Missbrauch, Gewalt.  

Aber: Diese Bilder sind keine Dokumentation von Wirklichkeit! Es sind opulente  Inszenierungen und in diesem Sinn Rollenprojektionen einer  Ateliersituation. Ähnlich, aber in Abgrenzung zu C. Sherman greifen sie tradierte kulturelle Images über das Kind und Kind-Sein auf. Ein großes, ein irritierendes Thema mit Zündstoff und Zukunftspotential! 

Bis 7.9.2013, Galerie Frank Schlag & Cie., Meisenburgstr. 173, Di-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr

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