Dienstag, 9. Juli 2013

Summer Journey

Kraftvoller können Farben kaum leuchten, flexibler könnten so unterschiedliche Arbeiten nicht zusammengestellt sein. Was wirkt wie eine locker gefügte Schau, entpuppt sich als roter Faden, der die Aktualität der Galeriearbeit sinnfällig zeigt. 20 Künstler stellen auf 3 Etagen z.T. atelierfrische Arbeiten aus, die  aus aller Herren Länder herbeitransportiert wurden. Derek Curtiz liefert aus London, Xianwei Zhu aus Peking, Martin Herler aus Australien. Mit anderen Worten, auch das internationale Spektrum ist groß. Zu sehen sind bekannte und neu aufgenommene Künstler mit zeitgenössischen Themen und ästhetisch innovativen Ausdrucksformen. Hyperillusionistische Malerei zerfranst bei David Uessem in grob gerakeltem Farbverlauf, feinste Airbrush-Technik mit Motiven aus dem Medienzeitalter kombiniert ergibt bei der Koreanerin Soin Lee eine samtweich schimmernde Malerei. Andreas Flügel erarbeitet Bismarcks Konterfei aus wilden Pinselschlägen und überzieht es mit einer Patina aus Schellack und Graffitimalerei.

Aktualität und internationale Vernetzung der neu entdeckten Künstler zu zeigen, ist ein Anliegen der diesjährigen „Summer Journey“. Nicht nur Johannes Jehnert erfüllt mit großen, rätselhaft leeren Bildern dieses Kriterium. Jiny Lan, die in Shanghai und  Düsseldorf studiert hat, lässt die Leipziger Schule in klug gesponnenem Gewand neu auferstehen. Auf die auf Leinwand gedruckte Kuppel der Galleria Vittorio Emanuele in Mailand malt sie fremdartige Szenen: sich selbst als schwebende Aktfigur oder fünf Männer, die in der Erde graben. „Intelligente Menschen mögen Wasser, moralische mögen Erde“ fügt sie als Bildtitel hinzu. Ein Kommentar zur „männlichen Erdung“, während sie, ganz mütterlich, für eine „dynastische Malerei“ plädiert? Ein Sohn jedenfalls folgt ihrer künstlerischen Spur. 

Fremdheit, die ironisch ans Surreale reicht, ist ein Thema, das die unterschiedlichen Arbeiten eint. Fremd im eigenen Raum sitzen die weiblichen Figuren Lioba Modell und tragen als identitätsstiftende Verbindung die Kleidung der Künstlerin. 

Eine Eule, das Symbol der Weisheit, thront bei Holger Kurt Jäger inmitten frei beweglicher Bildelemente. „Das Streben nach Sinnlichkeit“ verkündet der Titel - das  Bild selbst ist eines wider die logische Vernunft. So wie die „Tumlr-Party“, die millionenfach angeklickte Blogging-Plattform zum Austausch skurriler Bildideen. Heraus kommt bei Holger Kurt Jäger das kleine Portrait eines bebrillten Strebers, in dessen Haartracht sich ein Pekinese genüsslich die Hundelippe leckt. Als Kippenberger taugliches Nachwuchstalent wurde der Künstler schon bei seiner ersten Schau im Kunstraum gehandelt. 

Bis 24.8.2013, Kunstraum Schulte-Goltz+Noelte, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen