Mittwoch, 25. September 2013

La dolce vita im kunst-raum


„La dolce vita“, eine große Einzelschau mit Matthias Köster, wird im Kunstraum gezeigt. Seit 10 Jahren ist der 52-jährige Lüpertz- Meisterschüler hier und in internationalen Museen und Kunstsammlungen repräsentiert, so in Moskau, Shanghai, Arnheim. 

Seine Ästhetik ist unverwechselbar: Mit Öl auf Aluminium erzielt er einen glanzvollen Auftrieb der Primamalerei, einer Malweise, die kaum korrigierbar und nur bedingt aufbaubar ist. Flach und langsam trocknend liegt der Pinselstrich auf dem glatten, im ersten Vorgang maskierten Grund und baut sich mit nur wenigen Schichten auf. Glänzendes bleibt blank und ausgespart, eine Technik, die viel  Fingerspitzengefühl und Erfahrung braucht. Aber das gehört zum Fundus des Künstlers, der in Düsseldorf und Karlsruhe Dozentenstellen bekleidet hat. 

So flüssig und präzise wie die Malerei, so geschmeidig und elegant baut Köster Bilderwelten auf, aus Zitaten der zeitgenössischen Pop- und Medienwelt, der Kunstgeschichte, Alltags- und  Trivialkultur. In seinen Bildern finden die bizarrsten Begegnungen in bühnenartiger Kulisse statt, ganz selbstverständlich, aber doch so, dass die lineare Wahrnehmung des Betrachters gründlich ins Grübeln gerät. Was tut die schöne, knapp Bekleidete vor dem Trevi-Brunnen oder flankiert von lasziv drapierten Damen vor einem monströsen Truck? Wie passen die glamourösen Szenen des 19. Jahrhunderts in unsere Welt, die vom Künstler ebenso glanz- und verheißungsvoll voll wie brüchig morbide dargestellt wird? Es liegt an der Montagetechnik, mit der Köster Allegorisches, Fiktives und wahrscheinlich Erlebtes so stimmig zusammenfügt, dass man sich wundert, ohne die Kohärenz der Sinnebenen zu bezweifeln. Und nur allzu gern gibt sich der Betrachter den bunten, oft blendenden Geschichten hin, um sie weiterzuspinnen und mit eigenem Sinn zu füllen.

Die Ausstellung beinhaltet einen opulenten Fundus aus besonders kleinen und großen Exponaten. Von 20x40cm bis zum 2x4-Meter-Format reicht die Bandbreite, die so für jeden Raum und fast jeden Geldbeutel geeignet ist. Neu ist das Raum füllende, oval gefasste Format in Mixed-Media-Technik, zwei davon dominieren im Erdgeschoss und Treppenaufgang die Galerie. Als Deckengemälde sind sie gedacht, dazu beleuchtbar und als Unikate auf Leinwand gedruckt. 

Der Inhalt? Ein Schöpfungsakt! Zu sehen ist die Hand des Künstlers, von Geschmeide geziert. Doch was tut er da in einem Bassin? Handgemalte Bilder hält er in einen gläsernen Pool, den er mit Wasser und dann mit Farbe füllt, bis Bewegung die edlen Motive verzerrt. Das Ergebnis? Schauen Sie es sich an!

Im Souterrain und oberen Geschoss gibt es von 20 Künstlern der Galerie noch mehr zu sehen: Von Jiny Lan selbstreflexive Bilder ihrer Ausstellungseröffnung in Peking  und von Holger Kurt Jäger sind nur wenige von der Biennale Portugal heimgekehrt.

Bis 6.10.2013, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Rüttenscheiderstr. 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

Zusätzlich folgende Ausstellungen von und mit dem kunst-raum:
Bis 6.10. Xiangwei Zhu, Kaisers Wunderland, Villa van Delden Ahaus
Bis 22.11. Lucia Dellefant, RWE-Tower Dortmund, am 28.9.: Lange Museumsnacht mit Führungen im 20 Minuten-Takt durch Colmar Schulte-Goltz zwischen 19-21 Uhr
Bis 30.10. Stadtwerke Witten, Stephan Marienfeld
Bis  November Burkhard Driest in Nassau: Europa-Wahn im Wandel 
ab 11.10. 19.30, Alpay Efe im kunst-raum Essen
10.11., 6 Essener Galerien stellen in Essen-Kettwig aus

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