Dienstag, 17. September 2013

Martin Steffen - Hands of Pain


Manche sehen im Boxen eine Metapher des Lebens. „Die Wahrheit jedoch liegt in der Umkehrung: Das Leben ist eine Metapher des Boxens. Denkt doch an euer Leben, diesen Kampf, der sich endlos hinzieht und der euch alles bietet: Fallen, Intrigen, Siege, Triumphe, Schwächen, Stärken, Leere, Wahn, Glück und die bitterste Erfahrung, sich selbst der größte Feind zu sein.“ Wolf Reiser verfasst dieses „Plädoyer für die Männer in den Seilen“.

1995 war Ricarda Fox die erste Galeristin, die dieses Thema mit namhaften Künstlern an den Stätten des Kampfes zeigte, und es nun in einer einzigartigen Schau mit dem Bochumer Fotografen Martin Steffen modifiziert. „Als Dokumentation, als Warten auf den richtigen Moment“ begreift er seine Arbeit, die er in namhaften Zeitschriften publiziert. Eine gänzlich unprätentiöse Selbsteinschätzung ist es, eine, die nach oben korrigiert werden muss, denn diese Fotografien sind Kunst. Der klare Blick für Kompositionen in klassischem Schwarz-Weiß, präzise Motivwahl und weiches Licht dort, wo es hingehört, das alles ist mehr, als ein Printmedium je zeigen kann. Richtig ist, dass Steffens künstlerische Mittel kein Selbstzweck sind, denn ein jedes dokumentiert die Gesamtaussage. Und diese ist, auch wenn der ehemalige Assistent von Jim Rakete es anders sieht, mehr als die Illustration dessen, was vordergründig in den Motiven liegt. Deutlich wird eine Realitätsebene hinter den Dingen. In Steffens Umsetzung ist Sport die Chiffre für Leben, für Grenzerfahrung und den Willen, die Gegenwart zugunsten der Zukunft zu überwinden. 

Konzentration zeichnet jede dieser Fotografien im Format 120/160 aus. Mit „Hands of Pain“, so der Ausstellungstitel, wirft Steffen in der ersten Soloshow einen Blick hinter die Kulissen des Erfolgs. Er zeigt Fotografien vom deutschen Ruderachter, das Training, den Teamgeist, das Sortiment der Medaillen. Er entdeckt in Ghana die Boxer von Bukom, die am Strand und inmitten überfüllter Wohngbiete sich für den Weg nach oben stählen. Und er trifft Pianeta, den weltbekannten Schwergewichtsboxer, in einem unbeobachteten Moment. Wenn das Kameraauge dessen Gesichtsausdruck einfängt, liegen dort Lust und Schmerz ununterscheidbar nebeneinander. Und der athletische Rücken von Kristof Wilke beim Ergometer-Training  spiegelt  Kraft und Anstrengung pur.

Eindrückliche Momente der Fotografie gelingen hier, jenseits von Idealisierung und einer zur Ästhetisierung neigenden Formensprache. Eine Fotografie, die auch anders ist als Marie-Jo Lafontaines Serie „Tränen aus Stahl“, wo Schönheit und Vergänglichkeit maskuliner Model thematisiert werden.

bis 9.10. 2013, Galerie Fox, Mülheim, Liverpoolstr.15, Di-Fr 15-19, Sa 12-16 Uhr  

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