Donnerstag, 24. Oktober 2013

Mechthild Frölich stellt in der Artishoke aus

Seit vier Jahren schon markiert die Galerie Artshoke von Rolf Struwe ein Kunstparadies der etwas anderen Art. Keinen hochkarätigen „White Cube“, sondern eine kleine Galerie mit begrenzter Ausstellungsfläche, in der Küchennutzung und Ausstellungsraum in kreativem Fluss ineinander übergehen. Neben einer Tasse Suppe bekommen Gäste zur Vernissage ein und mehrere Glas Wein, die Öffnungszeiten sind vorwiegend am Wochenende und am besten individuell zu vereinbaren. 

Ausgestellt werden Künstler, deren „Arbeit dem Galeristen gefällt“. Malerei, Fotografie und Installationen in Mixed Media sind zu sehen in höchst unterschiedlicher Ästhetik. Kunstmarktkonform oder lässig und provokant, es ist alles dabei: Fotografie, Videokunst und detailreiche Malerei, bunte Klobürsten oder Putzmittelflaschen als Objektinstallation, High and Low, es gibt vieles zu sehen.



Vom Kunstsammler beschritt Struve den Weg zum Galeristen und zeigt 6-8 Ausstellungen pro Jahr. Bis Ende November stellt er Mechthild Frölichs Malerei mit acht Exponaten vor. 

Keinen konkreten Inhalt will die Künstlerin darstellen, sondern „formale Probleme“ lösen.  Ein figurativer Inhalt ergibt sich allenfalls als Resultat des Arbeitsprozesses und ist aus der Distanz zu sehen. Gesichter, Körper und Naturphänomene sind erkennbar, wenn man manche Arbeiten aus der Entfernung betrachtet. Vorwiegend monochrome Farben in quadratischem oder Rechteckformat stellt sie aus  und eine Serie als „Versuch und Analyse der Malerei Gerhard Richters“. Kein unverrückbares Idol stellt der gesamtdeutsche Malerstar für Mechthild Frölich dar, sondern ein Vorbild, das essentielle formale Fragen formuliert, die sie ebenfalls untersuchen möchte. Und so spachtelt sie auf kleinem, quadratischem Format und räumt mit dem Vorurteil auf, „dass nur  Richter den Rakel handhaben kann“. Doch sie räumt ein, dass „dessen Farbwirkungen einmalig sind“, auch wenn die eigenen Versuche sich sehen lassen können. In Rot und Gelb zieht sie Spachtelspuren über vielfach geschichteten Grund, setzt ein schwarzes und ein weißes monochromes Tableau als Kontrast und ironische Kommentar hinzu. 

In anderen Arbeiten lotet sie monochrome Farbklänge oder das Wechselspiel und die Materialität der Farbe aus. Indem sie eine dunkelgrüne Fläche mit Dammarharz glasiert oder aus tiefem Schwarz die Leuchtkraft der Farbe hervorscheinen lässt.  

Herbstliche und winterliche Töne lösen im Kontrast zu einem monochromen Blaurot differenzierte Temperaturempfindungen, Illusionen über den Bildraum und emotional taktile Reaktionen des Betrachters aus. Ein glühendes Orange, das seinen Raum entfaltet, wird vorsichtig aus der Distanz gesehen, an ein farbig schillerndes Blauschwarz wagt sich der Betrachter näher heran. Als ginge er auf einen Urgrund zu, der Stille und Grenzen markiert. 

Mechthild Frölich, Mitglied im Ruhrländischen Künstlerbund, hat Kunst, Kunstgeschichte und Germanistik studiert, u.a. bei Friedrich Gräsel und Bernhard Lokai. 

Bis Ende November in der „Artishoke“ Gallery, Steeler Str 491, Einfahrt Krimmstr., Sa und So 15-18 Uhr u.n.V. 0179-3974214

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Vera Herzogenrath - Neue Bilder


Aus der Nähe betrachtet - ein Flickenteppich: eine undurchschaubare wolkige Struktur von Farbstrichen, parallel gerichtet, gedreht, aus kleinen und großflächigen gestischen Strichen. Neben- und übereinander auf  die Leinwand gelegt unterstreichen sie eine flache, glanzlos stumpfe Textur. Pigmente werden mit Harzöl gemischt und können so fast lasierend aufgetragen werden. Sie trocknen schnell in einem zügigen Malprozess, bei dem man sich nur wundern kann, wie die Künstlerin den Durchblick behält, wenn sie dicht vor einem wandfüllenden Format arbeitet. Welche Farbe gehört wohin, welcher Ordnung unterliegen sie? 

Vera Herzogenraths stellt in der Galerie Fox aktuelle Arbeiten der letzten zwei Jahren aus. Was aus der Nähe wie informelle Malerei anmutet, ohne Richtung, Thema und Gegenstand, sieht aus der Entfernung anders aus. Man erkennt Grundzüge von Landschaften, und das nicht nur, weil der Titel mit Angabe des Entstehungsjahres so etwas nahe legt.  

Das Phänomen Landschaft in seiner flächenorientierten Dimension lädt zu einem abstrahierenden Erfassen aus der Ferne ein. Nur so kann der Betrachter Dimensionen erfassen, ohne sich in den strukturbildenden Details zu verlieren. Damit entspricht das Sujet der Arbeitsweise der Mülheimer Künstlerin. Sie eröffnet den Farben Raum, ihre  Eigenwirkung auf der Leinwand zu entfalten: den kühlen Tönen Distanz, den warmen visuelle Nähe. Temperatur- und Kontrast, Anziehung und Abstoßung der Farben, all das sind Effekte, die die Künstlerin beherrscht. Fast automatisch stellen sie sich ein und betonen die Autonomie der Malerei. 

Andererseits unterstreicht sie das figurative Sujet mit all den Empfindungen, die es in der Imagination des Betrachters hervorruft. Denn Herzogenrath malt in bewusst dosierten Farbklängen. Ein helles Gelb, erdig schweres Braun und in die Tiefe driftendes Blau lösen Erfahrungswerte und Stimmungen von Landschaft aus. Besonders dann, wenn Licht über die Bilder streift und der abstrahierten Malerei fast naturhafte Erlebnisqualität verleiht. 

Es mag ein spannendes Experiment nicht nur für die Malerin sein, auszuloten, wann der Gegenstand kippt und sich auflöst in Abstraktion. Besonders die großen Formate zeigen hier ein vitales Eigenleben. Und die Kleinformate, postkartengroß - es sind tatsächlich Postkarten, die sie bemalt – konzentrieren Charakteristika von Landschaft: Flussläufe, Gebirge, Horizonte. Ganz besonders hier wirkt es, als zeige Herzogenrath neben der Abstraktion im Medium der Malerei das Elementare der Natur. 

Bis 9.11.2013, Galerie Ricarda Fox, MH, Liverpoolstr. 15, Di-Fr 15-19, Sa 12-16 Uhr

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Lilli Hill

Die Künstlerin Lilli Hill sprengt mit ihren barock-sinnlichen Frauenkörpern lustvoll das heutige Schönheitsideal. Für das Bild einer korpulenten nackten Frau im Spagatsprung erhielt sie 2008 im bundesweiten Kunstwettbewerb den Art.Award 08. Walter M. Gehlen, der Direktor der Art.Fair 21, zeigte sich bei der Preisverleihung beeindruckt: „Das Bild zieht einen durch die irritierende Mischung aus Selbstbehauptung und ernsthaftem Stolz, Entrücktheit und Trotz an. Die Künstlerin hat das Publikum mit ihrer offenbarenden Arbeit tief berührt: Es geht nicht darum, wie man aussieht, sondern dass das Leben etwas Wunderbares ist, dass man würdigen sollte.“ Besser kann man eine Beurteilung auch des Gesamtwerkes von Lilli Hill kaum formulieren.



Stationen • 1976 in Abay/Zentral-Kasachstan geboren, 1989-1992 Praktikum und Mitarbeit im Atelier von Konstantin Otapka, Privatausbildung in Malerei, 1993 Umzug nach Radevormwald/Deutschland, 2003-2007 Studium der Malerei bei Prof. Jürgen Störr, Grafik, Kunstgeschichte und Philosophie an der Bergischen Universität Wuppertal, Atelier in Berlin 

Auszeichnungen • 2008 ART.AWARD 08, Sonderausstellung auf der Kölner Kunstmesse ART.FAIR 21 

Ausstellungen 1989-1992 erste Ausstellungsbeteiligungen im „Kulturhaus“ in Karaganda, seit 2001 regelmäßige Ausstellungstätigkeit, u. a. Fördergemeinschaft Junge Kunst e.V. Bad Honnef, Kunstverein Eisenturm Mainz, KREATIV.QUARTIER Kunstraum Scheidt'sche Hallen Essen, Kunstverein Biberach, Osthaus-Museum Hagen, Rathausgalerie Aalen, Kallmann-Museum Ismaning 

Ausstellungsdauer bis 30. November 2013, Galerie Klaus kiefer, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 11-18.30, Sa 11-14 Uhr


Gerda Schlembach

Ein Motiv reicht ihr und dem Betrachter ein Blick, um dessen Wahrnehmung nachhaltig zu irritieren. Gestirne, Galaxien, Mikrobiologisches oder Zellstrukturen unter dem Mikroskop meint man in klassischem Schwarz-Weiß zu erkennen. Vermutungen sind es, die den Kern dieser Serie zwar nicht, aber das Werk der Künstlerin doch immerhin am Rande treffen.

Man weiß, dass Gerda Schlembach fotografiert, installiert, zeichnet, biologisch analytische Fragen und mikroskopische Strukturen mit Interesse verfolgt und all das multimedial in verschiedenen Werkstoffen zusammenzufügen weiß. Und zwar so, dass das Ausgangs-material gut aufgehoben bleibt in einer formal reduzierten und handwerklich präzisen Arbeit.   

Doch in dieser Serie aus dem Jahr 2012, bestehend aus 14 abstrakten oder wenigstens sehr stark abstrahierten Arbeiten mit durchnummeriertem Titel „cells“ weist dennoch sehr wenig auf das zugrunde liegende Gegenständliche hin. Manches erkennt man nur aus unmittelbarer Nähe, anderes vielleicht mit jenem entspannten Blick, der durch keinerlei inhaltliche Voreinstellungen abgelenkt ist. Dennoch gibt Gerda Schlembach auf wenigen Arbeiten in aller Deutlichkeit ihr fotografiertes Geheimnis preis, dann nämlich, wenn der Betrachter einen kleinen Zweig auf dunkler Fläche identifiziert.

Was aussieht wie grafische Lineatur oder die Körnung einer Fotografie, ist Schnee. Und was man als abstrakte Kompositionen sich wiederholender Formen sehen kann, sind Wärme- und Strömungspuren auf dem zugefrorenen Baldeney-See. Weiches Grau zieht Ringe um tiefes Schwarz und klares Weiß verhüllt die Welt im Winter 2012! Ein, zwei und bis zu sechs miteinander verbundener Formationen „kieselsteinrunder schwarzer Löcher“ sind pro Blatt zu sehen.

Manche von oben, manche seitlich, andere aus der Distanz, Gerda Schlembach weiß, wie sie Dinge verfremdet. Manchmal fühlt sich der Betrachter, als stünde er  auf knisterndem Eis, mitten auf oder  hoch über dem See. Betreten verboten könnte es heißen, aber Gerda Schlembach kennt ihr Terrain!

In klar geordneter stimmiger Hängung und wunderbarer Reduktion wirkt nichts wie Wiederholung und jedes Blatt so, als habe man ein solches Motiv in der Natur noch niemals gesehen. Auch das ist falsch, zumal die Motive aus heimatlichen Gefilden sind.
Bis 2.11., Galerie Schütte, Essen-Kettwig, Hauptstr.4, Di-Fr 14.30-19.00, Sa 11-14 Uhr

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Anne Berlit „Codes“

„Codes“ heißt die Werkgruppe, die Anne Berlit zum ersten Mal in ihrer Gesamtheit ausstellt. Die länglichen Bildobjekte erinnern an eben diese Codes, die wir vom Scannen der Waren aus den Supermärkten kennen.  


Berlits vielfarbig schillernden Raumkörper bestehen aus einzelnen Holzlementen, die nebeneinander in an die Wand montiert werden. Die Seiten sind in unterschiedlichen Winkeln geknickt, so dass zwischen den Elementen verschiedene Räumlichkeiten und Rhythmen entstehen. Herrscht, von vorn betrachtet eine Farbe vor, so sieht der Betrachter beim Standortwechsel unendlich vielfältige farbige Spektren, die den Bildraum in die Tiefe und Vertiefungen fortsetzen. Beim Abschreiten der Arbeiten scheinen sie  sich in einem ständigen Veränderungsprozess zu befinden - je nach Richtung, Blickwinkel, Bewegung ändern sich die Farben. Sie erscheinen und verschwinden, lassen durch unterschiedlichen Lichteinfall Farbabstrahlungen entstehen. Diese werden auf dem Nachbarelement sichtbar und mischen sich immer wieder neu mit der dort vorhandenen Farbe. Waren sie anfangs kraftvoll und intensiv, so werden sie, je länger die Auseinandersetzung mit den Strichcodes dauert, leichter, differenzierter, gedämpfter. „Am Ende formieren sie sich zur hauchzarten Hommage an das Licht“.  

Die Künstlerin thematisiert so die Malerei als dreidimensionalen architektonischen Raum.  

Anne Berlit,  sie lebt und arbeitet in Essen, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf freie Grafik bei Franz Eggenschwiler und Bildhauerei bei David Rabinowitch.  Sie realisierte Kunst am Bau Projekte, erhielt  zahlreiche Preise und Projektstipendien. Zuletzt nahm sie am DEW21 Kunstpreis 2013 teil.  

Bis 24.11. Städtische Galerie Schloss Borbeck, Schlossstr. 101

Black and Wide

In ihrer Entstehung war Fotografie Lichtmalerei. An diese Anfänge erinnert Peter Schlör, wenn er uns zeigt, wie Licht den Gegenstand formt, „eine Tatsache“, so der Künstler, „die mit der technischen Entwicklung in Vergessenheit geriet. Stattdessen dichtet man dem Medium eine Authentizität an, die es so nie besaß.“
Die Erscheinung der Materie im Licht zu bannen - in jenem Sekundenmoment, der nicht fixierbar ist - das ist seit jeher ein Kardinalthema der Malerei. Eine philosophisch existenzielle und wahrnehmungspsychologische Fragestellung ist es, die Peter Schlör auf die Fotografie überträgt.
Etwas Erhabenes, was sonst die Malerei formuliert, legt sich wie eine Membran über die Bilder. Wie Wellen schwappen Wolken über Bergkuppen, verharren dort kurz, bevor sie niederfallen. Schemenhaft stehen Bäume an Schluchten, wie petrifiziert, als seien sie unter einer Schneedecke zu ewiger Regungslosigkeit verdammt. Passatwinde wühlen Himmel auf, vor Abgründen recken sich Fichten und Tannen Tautropfen entgegen. Es sind universelle Bilder von Schönheit, die Peter Schlör fixiert, Fotografien von der „Majestät einer Landschaft, die in sich selbst hineinhorcht.“
Solche Augenblicke inszeniert Schlör vor tiefschwarzem Grund. Ein Urgrund, Seinsgrund, Bildgrund, aus dessen Tiefe sich Licht entfalten kann.
„Studiolicht ist Dosenlicht“, sagt er, das komme ihm nicht vor die Linse. Also reist er auf die höher gelegenen Kanaren und wartet im Gebirge in der Kälte der Nacht. Auf den Wolkenfall, auf den Lichteinbruch und die Stille, die sich vor dem Sturm auftut. Die Kamera, am Teide auf Teneriffa positioniert, saugt auf, was da ist, und das ist mehr als der Mensch sieht.
Die Aufgabe des Fotografen besteht in der Selektion, sie bedeutet Sehen und Übersetzung der Farbwerte in Schwarz-Weiß. Denn Schlör fotografiert in Farbe und transferiert sie digital in Grauwerte - um das „innere Bild mit dem äußeren abzugleichen.“ Magisch ist, wenn das gelingt und handwerklich zudem perfekt ausgeführt werden kann.
Zu diesem Zweck hat Schlör experimentiert. Als erstes hat er seine Sehfähigkeit geschult, so dass er die Stärke von Licht auch ohne Gletscherbrille aushalten kann. Dann hat er sein Handwerk perfektioniert, die Drucktechnik ausgefeilt, die Pigmentierung der Grauwerte differenziert. Matt, wie mit Kohle gezeichnet entfaltet der fotografische Druck auf weichem Papier seinen eigenen Reiz. Doch den und seine taktile Anmutung verbirgt Schlör hinter Glas, das zusätzliche Tiefe schafft.
Eine große Schau ist es, großzügig präsentiert. Jedes Format ist in der Größe individuell austariert und jede Fotografie bekommt genau den Raum, den sie für ihre Wirkung braucht.

Bis 09.11.2013, Galerie Obrist, Kahrstraße 59, Mi-Fr 12-18, Sa 10-16 Uhr u.n.v.

Samstag, 12. Oktober 2013

Gruß aus dem Reich der Toten

Wie ein Ruf aus dem Reich des Okkulten mutet die Ausstellung an, in der Frank Schlag hervorragende Arbeiten von Eva Schwab und Terry Taylor zeigt. Beide Künstlerinnen spüren in der Erinnerungsarbeit gesellschaftliche Traumata auf. Verdrängtes dringt in die Gegenwart, Vergangenes erscheint abgründig und neu. Dabei finden beide Künstlerinnen zu einer prägnant ausgefeilten Formensprache, die man auch in Zukunft nicht ignorieren wird.
Während die Lüpertz-Schülerin aus Berlin bisher vorwiegend Biografisches, also die eigene Vergangenheit zu kritischen Gesellschaftskommentaren verarbeitete, geht sie nun mit ihren Fundstücken noch freier um. 
Dunkle Visionen aus dem kollektiven Bilderschatz verbindet sie mit dem individuellen, dem fiktiven und auch erlebten. Surreal anmutende Szenen, aggressiv, expressiv im Farbduktus entstehen als Resultat märchenhaft sarkastischer Fabulierkunst. Frauen, furchterregend wie Medusen gehen mit zeitgenössischen Fragmenten bizarre Verbindungen ein. Abgewrackte Damen, die Datscha-Queens, lungern lasziv im Schrebergarten, andere gefährden Freizeitszenen mit ihrem morbidem Potential. In „La Deutsche Vita“, einem großformatigen, surrealen Historienbild, arbeiten barbusig Trümmerfrauen, während Vergangenheit und Gegenwart eine explosive Mischung eingehen. Das alles malt, ritzt, liniert Eva Schwab in Farbe und Wachs, wodurch fein miteinander verwobene Bildschichten entstehen.



Hitler, Stalin, Mao und Josef Rao Kony, ein Rebellenführer Ugandas, der 60.000 Kinder als Soldaten rekrutierte, als Bildmotiv? Diese und andere Verbrecher der Weltgeschichte portraitiert die Australierin Terry Taylor in altmeisterlicher Technik, jedoch nicht im konventionellen Portrait. „Nicht portraitwürdig“ seien diese Unmenschen. Lediglich deren „skulls“, also das Knochengerüst, dient als Vorlage für ein 22x18cm kleines Portrait, denn dem hautlosen Kopf kann die Künstlerin physiognomische Charakteristika entnehmen. 

Als im wahren Sinn ungeschminkte Basis des Menschen interessiert Taylor sich für Knochen von Kindesbeinen an. Tiere, Menschen, Katakomben, Natur- und Völkerkundemuseen sind ihr Fundus, aus dem sie künstlerisches Material rekrutiert. In unglaublich differenzierten tonalen Lagen entstehen in farbig schimmerndem Schwarz mikroskopisch anmutende Studien von Bösewichten. „Controle-Freaks“, Psychotiker, Verbrecher, 60 davon stellt sie als Totenschädel mit menschlichen Attributen dar. Kreisrund aufgemalte ornamentale Rahmen fokussieren den Blick des Betrachters auf den Bösewicht - und dessen haarsträubende Geschichten. 

Bis 2.11.2013, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, di-fr.14-19, sa 11-16 Uhr