Mittwoch, 16. Oktober 2013

Black and Wide

In ihrer Entstehung war Fotografie Lichtmalerei. An diese Anfänge erinnert Peter Schlör, wenn er uns zeigt, wie Licht den Gegenstand formt, „eine Tatsache“, so der Künstler, „die mit der technischen Entwicklung in Vergessenheit geriet. Stattdessen dichtet man dem Medium eine Authentizität an, die es so nie besaß.“
Die Erscheinung der Materie im Licht zu bannen - in jenem Sekundenmoment, der nicht fixierbar ist - das ist seit jeher ein Kardinalthema der Malerei. Eine philosophisch existenzielle und wahrnehmungspsychologische Fragestellung ist es, die Peter Schlör auf die Fotografie überträgt.
Etwas Erhabenes, was sonst die Malerei formuliert, legt sich wie eine Membran über die Bilder. Wie Wellen schwappen Wolken über Bergkuppen, verharren dort kurz, bevor sie niederfallen. Schemenhaft stehen Bäume an Schluchten, wie petrifiziert, als seien sie unter einer Schneedecke zu ewiger Regungslosigkeit verdammt. Passatwinde wühlen Himmel auf, vor Abgründen recken sich Fichten und Tannen Tautropfen entgegen. Es sind universelle Bilder von Schönheit, die Peter Schlör fixiert, Fotografien von der „Majestät einer Landschaft, die in sich selbst hineinhorcht.“
Solche Augenblicke inszeniert Schlör vor tiefschwarzem Grund. Ein Urgrund, Seinsgrund, Bildgrund, aus dessen Tiefe sich Licht entfalten kann.
„Studiolicht ist Dosenlicht“, sagt er, das komme ihm nicht vor die Linse. Also reist er auf die höher gelegenen Kanaren und wartet im Gebirge in der Kälte der Nacht. Auf den Wolkenfall, auf den Lichteinbruch und die Stille, die sich vor dem Sturm auftut. Die Kamera, am Teide auf Teneriffa positioniert, saugt auf, was da ist, und das ist mehr als der Mensch sieht.
Die Aufgabe des Fotografen besteht in der Selektion, sie bedeutet Sehen und Übersetzung der Farbwerte in Schwarz-Weiß. Denn Schlör fotografiert in Farbe und transferiert sie digital in Grauwerte - um das „innere Bild mit dem äußeren abzugleichen.“ Magisch ist, wenn das gelingt und handwerklich zudem perfekt ausgeführt werden kann.
Zu diesem Zweck hat Schlör experimentiert. Als erstes hat er seine Sehfähigkeit geschult, so dass er die Stärke von Licht auch ohne Gletscherbrille aushalten kann. Dann hat er sein Handwerk perfektioniert, die Drucktechnik ausgefeilt, die Pigmentierung der Grauwerte differenziert. Matt, wie mit Kohle gezeichnet entfaltet der fotografische Druck auf weichem Papier seinen eigenen Reiz. Doch den und seine taktile Anmutung verbirgt Schlör hinter Glas, das zusätzliche Tiefe schafft.
Eine große Schau ist es, großzügig präsentiert. Jedes Format ist in der Größe individuell austariert und jede Fotografie bekommt genau den Raum, den sie für ihre Wirkung braucht.

Bis 09.11.2013, Galerie Obrist, Kahrstraße 59, Mi-Fr 12-18, Sa 10-16 Uhr u.n.v.

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