Donnerstag, 17. Oktober 2013

Gerda Schlembach

Ein Motiv reicht ihr und dem Betrachter ein Blick, um dessen Wahrnehmung nachhaltig zu irritieren. Gestirne, Galaxien, Mikrobiologisches oder Zellstrukturen unter dem Mikroskop meint man in klassischem Schwarz-Weiß zu erkennen. Vermutungen sind es, die den Kern dieser Serie zwar nicht, aber das Werk der Künstlerin doch immerhin am Rande treffen.

Man weiß, dass Gerda Schlembach fotografiert, installiert, zeichnet, biologisch analytische Fragen und mikroskopische Strukturen mit Interesse verfolgt und all das multimedial in verschiedenen Werkstoffen zusammenzufügen weiß. Und zwar so, dass das Ausgangs-material gut aufgehoben bleibt in einer formal reduzierten und handwerklich präzisen Arbeit.   

Doch in dieser Serie aus dem Jahr 2012, bestehend aus 14 abstrakten oder wenigstens sehr stark abstrahierten Arbeiten mit durchnummeriertem Titel „cells“ weist dennoch sehr wenig auf das zugrunde liegende Gegenständliche hin. Manches erkennt man nur aus unmittelbarer Nähe, anderes vielleicht mit jenem entspannten Blick, der durch keinerlei inhaltliche Voreinstellungen abgelenkt ist. Dennoch gibt Gerda Schlembach auf wenigen Arbeiten in aller Deutlichkeit ihr fotografiertes Geheimnis preis, dann nämlich, wenn der Betrachter einen kleinen Zweig auf dunkler Fläche identifiziert.

Was aussieht wie grafische Lineatur oder die Körnung einer Fotografie, ist Schnee. Und was man als abstrakte Kompositionen sich wiederholender Formen sehen kann, sind Wärme- und Strömungspuren auf dem zugefrorenen Baldeney-See. Weiches Grau zieht Ringe um tiefes Schwarz und klares Weiß verhüllt die Welt im Winter 2012! Ein, zwei und bis zu sechs miteinander verbundener Formationen „kieselsteinrunder schwarzer Löcher“ sind pro Blatt zu sehen.

Manche von oben, manche seitlich, andere aus der Distanz, Gerda Schlembach weiß, wie sie Dinge verfremdet. Manchmal fühlt sich der Betrachter, als stünde er  auf knisterndem Eis, mitten auf oder  hoch über dem See. Betreten verboten könnte es heißen, aber Gerda Schlembach kennt ihr Terrain!

In klar geordneter stimmiger Hängung und wunderbarer Reduktion wirkt nichts wie Wiederholung und jedes Blatt so, als habe man ein solches Motiv in der Natur noch niemals gesehen. Auch das ist falsch, zumal die Motive aus heimatlichen Gefilden sind.
Bis 2.11., Galerie Schütte, Essen-Kettwig, Hauptstr.4, Di-Fr 14.30-19.00, Sa 11-14 Uhr

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