Samstag, 12. Oktober 2013

Gruß aus dem Reich der Toten

Wie ein Ruf aus dem Reich des Okkulten mutet die Ausstellung an, in der Frank Schlag hervorragende Arbeiten von Eva Schwab und Terry Taylor zeigt. Beide Künstlerinnen spüren in der Erinnerungsarbeit gesellschaftliche Traumata auf. Verdrängtes dringt in die Gegenwart, Vergangenes erscheint abgründig und neu. Dabei finden beide Künstlerinnen zu einer prägnant ausgefeilten Formensprache, die man auch in Zukunft nicht ignorieren wird.
Während die Lüpertz-Schülerin aus Berlin bisher vorwiegend Biografisches, also die eigene Vergangenheit zu kritischen Gesellschaftskommentaren verarbeitete, geht sie nun mit ihren Fundstücken noch freier um. 
Dunkle Visionen aus dem kollektiven Bilderschatz verbindet sie mit dem individuellen, dem fiktiven und auch erlebten. Surreal anmutende Szenen, aggressiv, expressiv im Farbduktus entstehen als Resultat märchenhaft sarkastischer Fabulierkunst. Frauen, furchterregend wie Medusen gehen mit zeitgenössischen Fragmenten bizarre Verbindungen ein. Abgewrackte Damen, die Datscha-Queens, lungern lasziv im Schrebergarten, andere gefährden Freizeitszenen mit ihrem morbidem Potential. In „La Deutsche Vita“, einem großformatigen, surrealen Historienbild, arbeiten barbusig Trümmerfrauen, während Vergangenheit und Gegenwart eine explosive Mischung eingehen. Das alles malt, ritzt, liniert Eva Schwab in Farbe und Wachs, wodurch fein miteinander verwobene Bildschichten entstehen.



Hitler, Stalin, Mao und Josef Rao Kony, ein Rebellenführer Ugandas, der 60.000 Kinder als Soldaten rekrutierte, als Bildmotiv? Diese und andere Verbrecher der Weltgeschichte portraitiert die Australierin Terry Taylor in altmeisterlicher Technik, jedoch nicht im konventionellen Portrait. „Nicht portraitwürdig“ seien diese Unmenschen. Lediglich deren „skulls“, also das Knochengerüst, dient als Vorlage für ein 22x18cm kleines Portrait, denn dem hautlosen Kopf kann die Künstlerin physiognomische Charakteristika entnehmen. 

Als im wahren Sinn ungeschminkte Basis des Menschen interessiert Taylor sich für Knochen von Kindesbeinen an. Tiere, Menschen, Katakomben, Natur- und Völkerkundemuseen sind ihr Fundus, aus dem sie künstlerisches Material rekrutiert. In unglaublich differenzierten tonalen Lagen entstehen in farbig schimmerndem Schwarz mikroskopisch anmutende Studien von Bösewichten. „Controle-Freaks“, Psychotiker, Verbrecher, 60 davon stellt sie als Totenschädel mit menschlichen Attributen dar. Kreisrund aufgemalte ornamentale Rahmen fokussieren den Blick des Betrachters auf den Bösewicht - und dessen haarsträubende Geschichten. 

Bis 2.11.2013, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, di-fr.14-19, sa 11-16 Uhr

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