Mittwoch, 23. Oktober 2013

Vera Herzogenrath - Neue Bilder


Aus der Nähe betrachtet - ein Flickenteppich: eine undurchschaubare wolkige Struktur von Farbstrichen, parallel gerichtet, gedreht, aus kleinen und großflächigen gestischen Strichen. Neben- und übereinander auf  die Leinwand gelegt unterstreichen sie eine flache, glanzlos stumpfe Textur. Pigmente werden mit Harzöl gemischt und können so fast lasierend aufgetragen werden. Sie trocknen schnell in einem zügigen Malprozess, bei dem man sich nur wundern kann, wie die Künstlerin den Durchblick behält, wenn sie dicht vor einem wandfüllenden Format arbeitet. Welche Farbe gehört wohin, welcher Ordnung unterliegen sie? 

Vera Herzogenraths stellt in der Galerie Fox aktuelle Arbeiten der letzten zwei Jahren aus. Was aus der Nähe wie informelle Malerei anmutet, ohne Richtung, Thema und Gegenstand, sieht aus der Entfernung anders aus. Man erkennt Grundzüge von Landschaften, und das nicht nur, weil der Titel mit Angabe des Entstehungsjahres so etwas nahe legt.  

Das Phänomen Landschaft in seiner flächenorientierten Dimension lädt zu einem abstrahierenden Erfassen aus der Ferne ein. Nur so kann der Betrachter Dimensionen erfassen, ohne sich in den strukturbildenden Details zu verlieren. Damit entspricht das Sujet der Arbeitsweise der Mülheimer Künstlerin. Sie eröffnet den Farben Raum, ihre  Eigenwirkung auf der Leinwand zu entfalten: den kühlen Tönen Distanz, den warmen visuelle Nähe. Temperatur- und Kontrast, Anziehung und Abstoßung der Farben, all das sind Effekte, die die Künstlerin beherrscht. Fast automatisch stellen sie sich ein und betonen die Autonomie der Malerei. 

Andererseits unterstreicht sie das figurative Sujet mit all den Empfindungen, die es in der Imagination des Betrachters hervorruft. Denn Herzogenrath malt in bewusst dosierten Farbklängen. Ein helles Gelb, erdig schweres Braun und in die Tiefe driftendes Blau lösen Erfahrungswerte und Stimmungen von Landschaft aus. Besonders dann, wenn Licht über die Bilder streift und der abstrahierten Malerei fast naturhafte Erlebnisqualität verleiht. 

Es mag ein spannendes Experiment nicht nur für die Malerin sein, auszuloten, wann der Gegenstand kippt und sich auflöst in Abstraktion. Besonders die großen Formate zeigen hier ein vitales Eigenleben. Und die Kleinformate, postkartengroß - es sind tatsächlich Postkarten, die sie bemalt – konzentrieren Charakteristika von Landschaft: Flussläufe, Gebirge, Horizonte. Ganz besonders hier wirkt es, als zeige Herzogenrath neben der Abstraktion im Medium der Malerei das Elementare der Natur. 

Bis 9.11.2013, Galerie Ricarda Fox, MH, Liverpoolstr. 15, Di-Fr 15-19, Sa 12-16 Uhr

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