Freitag, 22. November 2013

Bilder zum Thema Bildstörung in der Galerie Klose

Drei hoch renommierte Positionen zum Thema Portrait werden gezeigt in der Dekonstruktion und Sichtung dessen, was bleibt, wenn die Illusion aus der Kunst verschwindet. Und mit ihr das Abbild der  menschlichen Physiognomie.

Verschiedene Phasen scheinen die drei Künstler zu beschreiben, in denen sich das Antlitz des Menschen zersetzt. Ein Prozess wird protokolliert, in dem sich Menschliches verformt bis es erlischt und jene psychisch physiologischen Zustände auf der Bildfläche erscheinen, die den Menschen mit seinen Verletzungen zeigen und Attitüden bloßstellen. Keine einfache, eine spannende Schau! 

Kunsthistorisch als einer der ersten unterzog der Österreicher Arnulf Rainer seine Selbstportraits einer, wie er sagt, „akzentuierten Eigenauslöschung“ - um die Trennung des Einzelnen von der Welt und die des Künstlers vom Kunstobjekt zu überwinden. Fotografien wurden übermalt, bis die physiognomisch formalistische Wandlung unterschwellige Kraftreserven mobilisiert, „die man die psychopathischen nennt.“ Eine dieser Inszenierungen und das Portrait „Der Künstler“ sind in der Galerie zu sehen, dazu ein „Nest aus Stroh“ und der „Baum“, fast informelle grafische Strukturen in Schwarz auf hellem Grund. 



Hochkarätig sind die Skulpturen von Marcus Lüpertz, die man selten so detailliert und zum Anfassen nah betrachten konnte. Vorwiegend kleine Arbeiten werden gezeigt, die im Vergleich zu manchen der monumentalen wie Studien anmuten, besonders wenn man an den Herkules denkt, der hoch und weit in die Landschaft des Ruhrgebiets überragt. 

Phantastisch aus der Nähe zu sehen ist die Oberflächenbearbeitung, die die derben Schläge und rauen Materialverformungen ebenso wiederspiegelt wie die überraschenden Details, die der Künstler seinen verletzbaren Figuren mitgibt. Der „Prometheus“ aus Bronze, gerade 38 cm hoch, hält ein Kind, während die „Odaliske“ ein Bild zerstörter Schönheit abgibt. Der Kopf, überdimensional groß, bemalt, verformt, ruht ebenerdig an einem Baugerüst, aus dem Haken ragen. 27

Der heute in Berlin lebende Künstler Mike MacKeldey beschäftigt sich immer wieder mit dem Portrait. Grundlage seiner Arbeiten hier sind hyperrealistisch gemalte Bilder historischer Personen, die er übermalt, verwischt, zerstört und  in  abstrakter Weise verändert. Oftmals kritzelt er in die noch feuchte Farbe Wortfetzen, intuitiv ersonnene Texte und Zeichnungen, die das Werk ironisch kommentieren. Bis aus der Zerstörung Neues entsteht: polymorphe Wesen, maskulin, feminin, jung, alt, dabei schön und hässlich gleichzeitig. 

Bis 10.12.2013, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, Mo.-Fr. 10-18.30, Sa 10-15 Uhr
 

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