Freitag, 22. November 2013

Essener Galerien stellen aus


Das gab es so in der Essener Kunstszene bisher nicht: Sechs Galeristen zeigen in einer gemeinsamen Schau je einen Künstler, eine Künstlerin seiner Wahl. Unterschiedliche Positionen der Malerei werden ausgestellt noch zwei Wochen lang im „Kunstraum“ der Scheidt´schen Hallen in Essen-Kettwig. Eine Idee, aus dem Zufall geboren, nahm schnell und selbstverständlich Konturen an, koordiniert haben das Projekt Klaus Kiefer und die von ihm vertretene Künstlerin Michaela Classen.

Zwei Etagen unterschiedlicher Größe, Höhe und Helligkeit werden bespielt, wobei  jedes Exponat wie von selbst seinen Platz fand. Ein Galerist ging nach oben, der andere wollte unten sein, der nächste separat oder im Dialog mit einem Gegenüber. Doch egal, wo man sich begegnet, die Kombination von Konträrem stimmt, sei es in einer Nische oder an der hallenhohen Wand. 40 Werke regen an, über die Möglichkeiten der Malerei nachzudenken und eigene Präferenzen zu formulieren.

Den großzügigen Eingangsbereich bestimmen Nina Brauhauser (Galerie Schütte) und David Üssem, vertreten durch den kunstraum Schulte-Goltz+Noelte. Zwei Positionen sind es, die die Differenz zwischen Abbild und Wirklichkeit befragen. Während Nina Brauhauser abstrakt inszenierte Räume fotografiert, die in schwimmendem Weiß ihre Kanten und Charakteristika entmaterialisieren, malt David Üssem maskuline Models hyperrealistisch genau, um sie dann in Farbe zu abstrahieren. 

Erstmalig dabei ist die Galerie Artishoke mit Kai Borsutzsky, der wandhohe historische Portraits in expressiver Farbgeste und düsterer Stimmung zu Leinwand bringt. In dem oberen Geschoss der ehemaligen Tuchfabrik  finden sich die Galerien Klose und Frank Schlag mit den Künstlern Max Uhlig und Eberhard Ross. Während der Dresdener Altmeister seine Leidensportraits aus dem Stakkato grafisch anmutender Pinselschläge aufblitzen lässt, arbeitet der Essener Eberhard Ross mit nadelfeinen abstrakten Lineaturen, in denen er Strukturen aus der Natur zu einem Erinnerungsprotokoll formt.  

Grande Dame aller Klassen ist zweifelsohne Michaela Classen. Wunderbar ist, wie präzise, sarkastisch, hintersinnig sie Abgründe zu Bildern bannt, die alltäglichen und historisch verdrängten. Scheinbar ohne mit der Wimper zu zucken reißt sie  existenzielle Gefährdungen auf, deren Gewalt schweigen lässt. 

Also nichts wie hin! Hier könnten auch für die Zukunft Kunstspuren gelegt worden sein - auch wenn man hoffen darf, dass im nächsten Jahr alle renommierten Essener Galerien dabei sind. 

bis 1.11.13, Sa. u. So. 11.00-18.00 im Kunstraum der Scheidt’schen Hallen, Essen- Kettwig, Ringstr. 51, Tor 1, Eingang gegenüber der Aral-Tankstelle
Finissage: So. 1. 12. 2013, 11 Uhr, danach bis 18 Uhr

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