Mittwoch, 27. November 2013

Guido Mangold in der Galerie Schütte

1934 in Ravensburg geboren, verließ er als 14-Jähriger die Realschule, absolvierte eine Bäckerlehre im väterlichen Betrieb, lernte Konditor, verbrachte Gesellenjahre in der Schweiz, um 1954 als Pâtissier in Vancouver zu arrivieren - und nebenbei zu fotografieren. Ebenfalls nebenbei und anonym sandte er  drei Bilder zu einem Fotowettbewerb bei Kodak ein, gewann die ersten drei Preise und bewarb sich, bei Otto Steinert, ohne die formalen Voraussetzungen zu erfüllen. Er wurde   Folkwang-Schüler und Theaterfotograf in Essen, arbeitete dann für die Amerikaner. 

Als erster publizierte er außergewöhnliche Fotografien über die Erschießung Kennedys, bekam einen Festvertrag bei der Quick - um sich danach nie wieder zu binden, außer an seine Ehefrau. Twen, Playboy, Eltern, Stern, Playboy, Geo, Merian, Coca-Cola, Camel, Stuyvesant, Misereor oder berühmte Kosmetik- und Modefirmen rissen sich um ihn. Eine Bilderbuchkarriere legt er hin, scheinbar selbstverständlich und leicht, doch vorbereitet von klugem Konzept - so wie seine Fotografien, die präzise und prallvoll mit Leben sind. 

Eine wunderbare Schau ist es geworden, die selbst dem an Auszeichnungen gewöhnten Meisterfotografen gefällt. Weil sie sachlich klar und ohne Überfluss angelegt ist und dabei die wichtigsten Werksegmente exemplarisch enthüllt: das streng grafische im Stil der Steinert Schule und die psychologisch einfühlsame  Life Fotografie. 

Portraits von den Beatles, Louis Armstrong, Annette Kolb, Jacky und John F. Kennedy oder von Uschi Obermaier in jungen und alten Jahren! Sie hatte Mangold ganz unorthodox von der Straße rekrutiert und ihr nach einem Shooting in Kamerun den Weg auf die Titelseiten freifotografiert. Berührende Fotos aus Indien folgen, ein blinder Vater geführt von seinem kleinen Sohn, das weltbekannte „Hängebaby“ für die Zeitschrift Eltern oder die Queen beim Besuch in Brühl, beeindruckt von den Räumen in Schloss Augustusburg. 

Daneben gibt es die Arbeiten von Industrielandschaften und malerische Bergansichten aus Südtirol. Was in Farbe aussieht wie frisch aus dem Photoshop ist analog fotografiert und Malerisches erscheint auf samtweichem Barytpapier. 

Bis 28.12.2013, Galerie Schütte, Di-Fr 14.30-!9.00, Sa 11-14 Uhr, Essen-Kettwig, Hauptstr.4

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