Mittwoch, 27. November 2013

Index 13

23 Positionen der Gegenwartsmalerei und 4 Bildhauer stellt der kunst-raum zu einer gemeinsamen Schau über 3 Etagen zum Ende des Jahres aus. Ein opulentes Bild figurativer Kunst entsteht, in dem jeder Künstler, jede Künstlerin zwei bis fünf Arbeiten zeigt. Da alle die Kriterien der Galerie, Aktualität, Historienbezug und innovative Ästhetik, erfüllen, ergibt sich ein stimmiges Gefüge, egal ob das Format raumhoch oder handtaschenklein, der Preis gesalzen oder geschenktauglich, die Malweise eruptiv oder altmeisterlich ist. In jeder Position und erst recht im Vergleich gibt es viel Stoff zu entdecken, besonders wenn man den kenntnisreichen Erklärungen des Galeristen folgt, um sich dann allein zu vertiefen. 

Nur Fünf Bilder des Chinesen Xian Wei Zhu sind aus dem Museum Ahaus zurückgekehrt, in denen er fernöstliche und westliche Motive zu einer globalen Kulturkritik verbindet. Die Leichtigkeit asiatischer Tuschemalerei wird in Ölfarbe übersetzt und aus hauchfeinen Flächen schälen sich Landschaften und individuelle Symbole zu  allegorischen Aussagen über den Zustand der Welt. 
 

Gegenüber wacht irrlichternd der Blick Wilhelm II, den Andreas Flügel mit Graffiti, Schellack und Öl zu einer patinierten Historie bannt. Archaisch sind Helm und Bart des geistheilenden Herrschers, beklemmend die verfallenen Kulissen, vor denen er vom Vaterland verlassen thront. Unergründlich tief mutet dabei der Farbfluss an, aus dem der Berliner Künstler diese anachronistischen Portraits baut. 

Jörn Grothkopps Damenakte führen in die Gegenwart zurück. In transluzidem Weiß verschwimmen sie schemenhaft. Doch wer das Licht löscht, sieht mehr. Ironisch und feinsinnig verweist der Künstler mit exzellenter Malerei auf die Paradoxie der Seherfahrung, in der Kunst und im Club Privée. 

Mit Sebastian Herzog steht eine vielversprechende Neuentdeckung ins Haus. Hyperrealistisch gemalte jugendliche Physiognomien werden wie zum Sichtschutz hinter milchigen Grauschleiern entrückt. Differenzierte Störelemente wie Risse im Bild werden aufgemalt, um im „great below“ die Aura der Einzelfigur zu wahren. 

Bis 15.11.2013, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

Baroque Splendour I findet parallel in der Galerie Goltz in der Huyssenallee 85 statt.

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