Dienstag, 12. November 2013

Rámon Lombarte mit digitaler Malerei

Rámon Lombarte, Grand Seigneur  mediterran figurativer Kunst, stellt neue Arbeiten in der Galerie Klose aus. Meisterhaft inszeniert er beliebte Motive, junge Damen mit High Heels und leichten Dessous, sitzend, liegend, auf einem Tisch drapiert. Allein oder zu zweit warten sie, verharren im Licht, das üppig durch verdunkelte Räume fließt. Erotisch und sehnsuchtsvoll mutet die Atmosphäre an, die  wohl proportionierte Protagonistinnen in opulenten Interieurs verbreiten, sei es im asiatischen Guest-House oder dem Office des Vaters, wo Lombarte sie arrangiert. Räume sind es, die aus dem Alltag des Künstlers stammen und in unseren Breiten paradiesisch wirken. Florale Muster an der Wand, samtweiche Teppiche, tiefe Sessel, kostbare Decken und kunstvolle Accessoires zieren sie.   

Wärme, Licht, Erotik, der 64-jährige Künstler aus Barcelona weiß seine Motive zu inszenieren. Bekannt und weltweit geschätzt sind die meist kleinformatigen reizvollen Tableaus, Stillleben und Interieurs, mit haarfeinen Pinseln in zahlreichen Ölschichten subtil vermalt.  

Ein neues Thema ist das Tattoo. Auf dem Rücken eines Models breitet es sich zum unergründbaren Gemälde aus mit feinen Schattierungen und verschlungenen Pflanzen in fein nuancierten Farben. Ein Bild im Bild, das eigene Realitäten schafft, so detailreich, dass sie den Künstler zu neuen Bearbeitungen verführen. 

Angeregt durch David Hockneys Spätwerk, greift Lombarte zu moderner Technik. Pinsel, Leinwand, Öl tauscht er gegen den I-Pad aus, auf dem er Neubearbeitungen eigener Gemälde generiert. Mit diesem hochkonzeptionellen Verfahren stellt er die bisherige Bildfindung auf den Kopf. Per Mausklick wählt er aus Millionen von Pixeln Schatten, Farben und Linien aus, lässt erst Silhouetten, dann tiefgründige Bildräume entstehen, bis er eine das virtuelle Bild für beendet erklärt. Eine Entscheidung ist es, die manch ein Betrachter vielleicht eher getroffen hätte - und hätte treffen können. Denn Lombarte lässt sich auch auf einen vom Betrachter mitbestimmten Kunstprozess ein. Denn er kann, wenn er ein digitales Bild kauft, wählen, in welchem Stadium er es erstehen will: als Skizze mit ganz eigenem Reiz, als leicht abstrahiertes oder als fertiges virtuelles Bild. 

Dass Lombarte in dieser Ausstellung Einblick in eine neue Arbeitsweise zeigt, illustriert nicht nur einen überaus diffizilen Entstehungsprozess, sondern auch die Grafik als hochkomplexes Kunstprodukt, das wie die Malerei unergründbare Tiefen zeigt.  

Bis 16.10. 2013, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, Mo.-Fr. 10-18.30, Sa. 10-15 Uhr 

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