Freitag, 27. Dezember 2013

Sightzeichen 2013


Die Ausstellung „Sightzeichen 2013“ beendet das 20ste Jubiläumsjahr mit einer Schau, die 33 Künstler, bekannte und neu entdeckte, zusammenführt. So unterschiedlich die Positionen auch sind, so einheitlich ist die Präsentation der vorwiegend figurativen Arbeiten aus Malerei, Fotografie und Skulptur. Als Rückblick und Vorausschau zeigt jede der zahlreichen Arbeiten eine Facette im Programm der Galerie. 

Markant im Raum wirkt das Zusammenspiel der plastischen Werke. Die Bronze von Altmeister Titus Lerner stellt klassisch und facettenreich einen Schreitenden dar, während Carole Feuerman hyperrealistisch eine „Mädchen-Büste mit Badekappe“ zeigt. Selbstvergessen lauscht die in Harz gegossene Schwimmerin in eine Muschel hinein, während Jörg W. Schirmers  „Unentschiedene“ in ironischem Widerspruch um sich selber kreist. 

Befindlichkeiten modernen Menschseins loten die meisten malerischen Arbeiten aus. Die menschliche Existenz, allein und im flüchtigen Miteinander, in privaten und öffentlichen Räumen ist ein zentrales Thema. 

Sala Lieber zeigt Menschen in großzügigen, barocken Interieurs, wohingegen Peter Handel Figuren und Stillleben in stillen, lichtdurchfluteten Privaträumen platziert ebenso wie Ramón Lombarte seine intimen Portraits. Dagegen setzt Gan-Erdene Tsend offene, weite Welten, die seiner mongolischen Heimat, in rätselhaften Spiegelungen und irrealen Bezügen. Menschen ohne Schatten wandern wie Nomaden in leeren Landschaften umher, ruhig, regungslos, ohne Richtung und Ziel. 

Auch der industriell geprägte Landschaftsraum wird fokussiert. Frank Hohmann verfremdet Ruhrgebietsmotive, so dass surreale Chiffren verlassener Schönheit entstehen. Duisburg, Essen, Oberhausen - menschenleer liegen deren Industrieanlagen im Licht und tiefen Blau. Diana Akoto-Yip dagegen lässt reaktivierte Ölplattformen in weißen Farbnebeln verschwinden. 

Bedrohlich fremdartige Leere, reizstarke Überfüllung oder düstere Globalisierungsspuren prägen das Bild der dargestellten Szenerien, so bei Dodi Reifenberg, der ebenso wie der Essener Fotograf Wolfgang Kleber und Jesús Miguel Rodriguez de la Torre neu im Programm vertreten ist. Aus Plastikabfall recycelt Reifenberg die Müllsucher auf seinen bunten Collagen.

Bis 20.1. 2014, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, Mo-Fr 10-18.30, Sa 10-15 Uhr

Dienstag, 10. Dezember 2013

Teil II der „Best of Ruhrgebiet“


Den Klassikern von heute folgen die Großen von gestern. Stellte Frank Schlag 2012 in einer musealen Schau 20 Künstler aus dem Ruhrgebiet vor, lässt er ihnen nun 20 weitere folgen. Teil II von „Best of Ruhrgebiet“ würdigt die Generation zwischen den Weltkriegen, verstorbene Maler und Bildhauer, die aus dem Revier stammen und deren Wirken in und über die Region hinaus deutlichen Forschungsbedarf signalisiert.  

„Als „Patriot des Ruhrgebiets lag nichts näher, als „Kunst aus dem Pott“ in meinen Galerieräumen zu zeigen“. Arbeiter- und Industriekultur, sozialer, geografischer Wandel, all das ist bekannt. Die Frage jedoch, ob es in einer von Krisen geschüttelten Region Raum gab für eine selbstbewusste, ästhetisch prägende Kunst, ist bisher kaum gestellt worden. Denn Kunst und Leben scheinen sich hier besonders unversöhnlich gegenüberzustehen.

Mit 100 Exponaten fügt Frank Schlag einem solchen Bewusstsein Erhellendes hinzu.

Er hat Arbeiten gefunden, die repräsentativ und z.T. verkäuflich sind, und solche, die seit ihrer Entstehung nicht zu sehen waren. In Biografien und Ausbildungswegen fand er Gemeinsamkeiten. 

Neun der ausstellenden Künstler, Jahrgang 1915 und früher, begannen ihre Ausbildung vor und um 1930 an den Handwerker- und Kunstgewerbeschulen Dortmund und Essen. Siepmann, Spindel, Geitel, Schumacher, Deppe, Grochowiak sowie Werner Graeff, der Älteste, und Otto Steinert als Fotograf und Lehrender gehören dazu. „Folkwang Essen – das war der Aufbruch in eine neue Zeit“. Angesagt waren Abstraktion sowie die „Vereinigung von Kunst und Leben“ durch die Verbindung von Industrie, Design, Fotografie und Bildender Kunst. Steinerts wunderbare Fotografien von abstrahierten architektonischen Formen und Graeffs konstruktive Bilder zeugen davon. 

Der „junge westen“, 1949 in Recklinghausen gegründet, verbindet informell und konstruktiv die Bauhausideen mit Besonderheiten des industriellen Ballungsraums. 20 Jahre später folgte die Künstlergruppe „B1“ mit regionalen Initiativen. Mitbegründer Spindel ist mit Schaumstoffobjekten, Tollmann als Bildhauer und Maler, Glasmeier mit Ready-Mades aus Fertigteilen und freundlichem Gruß an Duchamps repräsentiert. 

Als Ensemble strahlen die unterschiedlichen Arbeiten Einheit und Formwillen aus. Die scheinbar zufälligen Farbkreisel eines Kuno Gonschior ebenso wie die gegenstandslosen Farbfelder des erst kürzlich verstorbenen Armin Turk oder die Farbvibrationen eines Rudof Vombek.  

bis 10.1.2014, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, Di-Fr 11-19, Sa 11-16 Uhr
14.12. um 12:30 Uhr Katalogpräsentation

Zum 20sten 20 Künstler und 20 Arbeiten +

 Als studierte Künstlerin und Kunsthistorikerin kennt sie ihr Metier von der Pike auf. Seit 20 Jahren, mit über 120 Ausstellungen und zahlreichen Projekten über den Galerieraum hinaus ist Ricarda Fox im Geschäft, betreibt es mit Haut und Haar und ungebrochener Begeisterung. Angefangen hat es 1993 in der Velberter Straße in Essen. Heute lebt sie inmitten der Kunst, die sie vertritt, in einem architektonisch preis- gekrönten Rahmen, einem puristisch designten, großzügigen Loft in der ehemaligen Fahrzeugwerkstatt der britischen Barracks von Mülheim. Kunst und Leben ergänzen sich hier perfekt. 

Zum 20-sten Jubiläum hat sie über 20 Künstler der Galerie mit bekannten und  eigens angefertigten Arbeiten zu einer gemeinsamen Schau zusammengeführt. 

Oliver Jordan mit seinen ölschweren Portraits und Industrielandschaften ist von Anfang an dabei. Mit ihm hat Ricarda Fox schon 2001 versucht, das „ Ruhrgebiet aufzuarbeiten“, mit der Bild-Ton-Tanzinszenierung „Essen...stadteinwärts“ auf der Zeche Zollverein, der „Container-Kunst“ in der Essener Innenstadt und dem Kunst-Rock-Projekt in der Marktkirche, wo Jordan seine Arbeiten zum Sound der Gitarren von Rafael Córtes, Mille Petrozza und Peppi Dominick präsentierte. 

„Schwierig war es schon damals“, doch auch heute setzt Ricarda Fox auf eine Grenzen und Generationen übergreifende Kunstvermittlung. Mit der K29, dem 2009 gegründeten Kunstplatz im tiefen Herzen der Essener Innenstadt, arbeitet sie projekt- und kooperationsbezogen mit den Unis Duisburg-Essen, Folkwang sowie Künstlern und Kuratoren aus der Schweiz. Nachwuchstalente werden gefördert, Club-Sessions, Performances und Diskussionen initiiert. In der Jubiläumsausstellung zum 20sten sind Thomas Bauer, Livio Baumgartner, Jana-Lina Berkenbusch, Joachim Liu&Pin Kintrup, Yun A Shiun, Frederick Vidal, Michael Wernitz, Sigrid Winkler u.a. dabei. 

Selbst in dem Mülheimer Mutterhaus hält die Galeristin Klassik- und Jazzabende mit Vorträgen, Lesungen und Gesprächsrunden ab, gemäß ihrem Motto, „dass Kunst keine Ware, sondern ein Lebensmittel ist.“ Und so zeigt die aktuelle Schau bei aller Unterschiedlichkeit der Positionen ein rundes Bild. Eines, das Ästhetik, Gesellschafts- und spirituellen Realitätsbezug verbindet, Aspekte der Kunst also, aber auch die persönlichen Präferenzen der Galeristin. Ausgestellt sind Malerei und Fotografie sowie einige Skulpturen. 

bis 30. 1.2014, Galerie Fox Mülheim, Liverpoolstraße 15, di-fr, 15 bis 19, sa 12-16 Uhr, u.n.V.