Dienstag, 10. Dezember 2013

Teil II der „Best of Ruhrgebiet“


Den Klassikern von heute folgen die Großen von gestern. Stellte Frank Schlag 2012 in einer musealen Schau 20 Künstler aus dem Ruhrgebiet vor, lässt er ihnen nun 20 weitere folgen. Teil II von „Best of Ruhrgebiet“ würdigt die Generation zwischen den Weltkriegen, verstorbene Maler und Bildhauer, die aus dem Revier stammen und deren Wirken in und über die Region hinaus deutlichen Forschungsbedarf signalisiert.  

„Als „Patriot des Ruhrgebiets lag nichts näher, als „Kunst aus dem Pott“ in meinen Galerieräumen zu zeigen“. Arbeiter- und Industriekultur, sozialer, geografischer Wandel, all das ist bekannt. Die Frage jedoch, ob es in einer von Krisen geschüttelten Region Raum gab für eine selbstbewusste, ästhetisch prägende Kunst, ist bisher kaum gestellt worden. Denn Kunst und Leben scheinen sich hier besonders unversöhnlich gegenüberzustehen.

Mit 100 Exponaten fügt Frank Schlag einem solchen Bewusstsein Erhellendes hinzu.

Er hat Arbeiten gefunden, die repräsentativ und z.T. verkäuflich sind, und solche, die seit ihrer Entstehung nicht zu sehen waren. In Biografien und Ausbildungswegen fand er Gemeinsamkeiten. 

Neun der ausstellenden Künstler, Jahrgang 1915 und früher, begannen ihre Ausbildung vor und um 1930 an den Handwerker- und Kunstgewerbeschulen Dortmund und Essen. Siepmann, Spindel, Geitel, Schumacher, Deppe, Grochowiak sowie Werner Graeff, der Älteste, und Otto Steinert als Fotograf und Lehrender gehören dazu. „Folkwang Essen – das war der Aufbruch in eine neue Zeit“. Angesagt waren Abstraktion sowie die „Vereinigung von Kunst und Leben“ durch die Verbindung von Industrie, Design, Fotografie und Bildender Kunst. Steinerts wunderbare Fotografien von abstrahierten architektonischen Formen und Graeffs konstruktive Bilder zeugen davon. 

Der „junge westen“, 1949 in Recklinghausen gegründet, verbindet informell und konstruktiv die Bauhausideen mit Besonderheiten des industriellen Ballungsraums. 20 Jahre später folgte die Künstlergruppe „B1“ mit regionalen Initiativen. Mitbegründer Spindel ist mit Schaumstoffobjekten, Tollmann als Bildhauer und Maler, Glasmeier mit Ready-Mades aus Fertigteilen und freundlichem Gruß an Duchamps repräsentiert. 

Als Ensemble strahlen die unterschiedlichen Arbeiten Einheit und Formwillen aus. Die scheinbar zufälligen Farbkreisel eines Kuno Gonschior ebenso wie die gegenstandslosen Farbfelder des erst kürzlich verstorbenen Armin Turk oder die Farbvibrationen eines Rudof Vombek.  

bis 10.1.2014, Galerie Frank Schlag, Meisenburgstr. 173, Di-Fr 11-19, Sa 11-16 Uhr
14.12. um 12:30 Uhr Katalogpräsentation

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