Donnerstag, 30. Januar 2014

Die Erregung der Seelen beim Streben nach Glück

„Du sollst dir deine [Natur] ohne jede Einschränkung und Enge nach deinem Ermessen (...) selber bestimmen, (...) damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender, schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst.“ - Pico della Mirandola: Über die Würde des Menschen (1486/1490)

Du sollst dir ein Bildnis, einen Entwurf machen von dir selbst, du sollst dich wählen!


Beide Künstler, deren erstes Zusammentreffen Frank Schlag brilliant inszeniert, formulieren Identitätsentwürfe und eine neue Sicht des Portraits: Ralf Raßloff (geb. 1965) im Medium der Fotografie, Isolde Frepoli aus Florenz (geb.1961) in der Bildhauerei.

Das Zitat über die Freiheit des Menschen stellt der Mülheimer Künstler der Ausstellung voraus und zeigt in drei Fotoserien Modelle der Konstruktion von Identität. Das Ich ist keine vorgegebene Größe mehr, sondern der Mensch nimmt, flexibler und fragiler denn je, diverse Rollen ein.

Ohne Umraum und auf weichem Papier stehen uns 20-30-Jährige frontal oder in leichtem Profil gegenüber. Im Ausschnitt und fast maßstabsgetreu wird eine Generation herangezoomt und zur Darstellung kommt, so der Titel der Serie, „ Die Erregung der Seelen beim Streben nach Glück“. Eine Hand am Herzen, den Blick geradeaus ignorieren die Portraitierten den Betrachter, unnahbar und distanziert. Alle Konzentration scheint in die Ferne gerichtet, in eine ungewisse Zukunft vielleicht. Präzise und hyperreal werden charakterisierende Details erfasst, ein Tattoo, die alltägliche Kleidung.

Die zentrale Idee wie Haltung und Farbe gibt Raßloff vor, dennoch haben die Models, die er z.T. von der Straße rekrutiert, die Freiheit der Wahl, im Outfit und im Rollenbild, das sie repräsentieren.

Isolde Frepoli fertigt Terrakottaplastiken, überwiegend in Büstenform und Frauengestalt. Im Mittelpunkt steht das Gesicht, über dessen Ausdruck sie die Persönlichkeit von Modellen erfasst, die sie meist nur flüchtig kennt und grob skizziert. Mittels Engobe, einer Tonmasse, die zur Einfärbung oder Beschichtung keramischer Produkte dient, verleiht sie den Figuren Leben. Vor allem die Augen  und die eindringlichen Blicke der Plastiken lassen den Betrachter selbst zum Betrachteten werden. Präsentiert werden die Arbeiten auf dunkelbraunen Holzsockeln, die die Büsten auf Augenhöhe bringen.

bis 15. März 2014, Galerie Schlag, Meisenburgstr. 173, Di-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr

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