Donnerstag, 30. Januar 2014

Unwirtliche Orte

„Transitorische Orte“ zeigt die in Barcelona lebende Fotografin Laura Ribero in der Galerie Schütte. Poetisch nostalgisch wirken die Fotografien, wenn sich die erste Wahrnehmung des Betrachters auf die Ausleuchtung der Räume oder die Tätigkeit der Protagonistin bezieht. Hauptdarstellerin aller Fotografien ist die in Kolumbien geborene Künstlerin.

In romantische Roben gehüllt durchschreitet sie von Abbruch und Verwahrlosung heimgesuchte Räume. Barfuß balanciert sie auf Bauleitern, trägt Koffer ins Nirgendwo, liegt wartend am Telefon, das keinen Strom mehr haben kann, oder hingeworfen wie eine Puppe auf ausgedientem Mobiliar. Keine Emotion, sondern konzentrierte Innerlichkeit geht von ihrer geschmeidigen Haltung aus, die sie immun macht gegenüber der Außenwelt. Die könnte unwirtlicher nicht sein. Zwischen Plastikfolien, Schuttbergen und Staubschwaden hält Ribero sich auf oder huscht durch einen maroden Kinosaal, dessen 50er-Jahre Charme vor Schäbigkeit strotzt. Der Betrachter fühlt förmlich den Staub der Verlassenheit und die promovierte Künstlerin befällt heute noch Gänsehaut bei dem Gedanken, wie sie im hauchdünnen Gewand auf Dämmfaserstapeln posierte.
Ephemer wie ein Schatten wirkt sie in diesen Bildern, denn die Absurdität des Verweilens in solch einem Ambiente könnte größer nicht sein. Fremdheit und Befremden strahlen die Arbeiten aus und man fragt sich, wie es in diesen „transitory places“ zu einem so schwer erträglichen Stillstand kommt. Zu einem Gerinnen der Zeit bis zu jenem Moment, in die Regungslosigkeit der Protagonistin wie eine Chiffre von Autonomie und Widerstand erscheint. Denn mit aller Kraft ignoriert sie die brutale Zumutung der äußeren Situation.
Die Ästhetisierung des Zerfalls unterwandert die Romantik der unbeschwerten ersten Rezeption. Zum 2. und 3. Mal bezieht sich Ribera in dieser Ausstellung auf Erfahrungen, die sie als Migrantin in Spanien erlebte. Die existenzielle Fremdheit in einem Land, dessen Sprache sie spricht, dessen Gebräuche sie verwundert verfolgt, vorsichtig und regungslos.
Der Schauplatz der hier gezeigten Fotografien ist Wien, doch die dargestellten Räume könnten überall sein so wie Fremdheit eine Chiffre für menschliche Wirklichkeit ist, die des Migranten und die des Menschen in der Moderne.
Bis 1.3.2014, Galerie Schütte, Hauptstr. 4, E.-Kettwig, Di-Fr 14.30-19., Sa 11-14 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen