Dienstag, 11. Februar 2014

Gorillas in der Galerie Klose



Aus samtweichen Augen schauen Gorillas uns an. Vielsagend, hilflos, gequält? Was immer der Betrachter assoziiert, ist seine eigenes Ding und vom Künstler Ralf Koenemann nicht immer gewollt. Denn wie das Tier aus der Leinwand blickt, wie es uns anblickt und tief in die Seele schaut, ist häufig das Resultat der mehr als expressiven Malweise des Künstlers.
Farbschüttungen ergießen sich über die Leinwand. Lack und Teer brodeln wie Lava, Pigmente dampfen in Öl-, Lack- und Acryllachen. Verkrustungen werden mit dem Bunsenbrenner weggebrannt, Schrundiges geschmirgelt, Flüssiges mit Terpentin luzide gemacht. Koenemann zaudert nicht, sondern „kleckst und klotzt“, so dass aus dem Malprozess ein willkürlicher und dennoch berechenbarer Schaffensakt wird. Denn der Künstler kennt sich aus mit dem, was er tut, auch wenn die wandhohen Leinwände nun auch auf dem Boden bearbeitet werden. Denn dann kann der Künstler sie umkreisen, umrunden, betreten, um zu korrigieren, was sich zufällig ereignet hat.
Das „Tier als Ursprung der Menschheitsgeschichte“, als Thema kollektiver Angst und Erinnerung beschäftigt nicht nur den Essener Maler Koenemann. Fast alle Künstler behandeln es, meist jedoch heimlich im Atelier, weil die Gattung Tierbild nicht wirklich als bildwürdig gilt. So mag man dieses Genre allenfalls als Jagd- oder Küchenstillleben. Der Mensch, nach Aristoteles ein Tier auf zwei Beinen, zähmt und domestiziert das Tier, bändigt oder dämonisiert das Animalische. Und so dient das Tierbild seit jeher auch Projektionsfläche des Menschen, seiner Verbrechen und allzu menschlichen  Vergehen.
In dieser Ausstellung „I’ll Be Your Mirror“ beweist Koenemanns Malweise einmal mehr ihre Größe und Eindringlichkeit. Bullige Nashörner und mächtige Elefanten treten hinzu und vereinen drei der imposanten „big five“ im Portfolio des Essener Künstlers. Doch das Thema ist nicht nur das Tier, sondern auch die Natur. Ihre archaische Kraft scheint den machtvollen Leinwänden eingeschrieben zu sein.
Bis 25.2.2014, Galerie Klose, Rüttenscheider Str. 221, Mo-Fr 10-18.30, Sa 10-15 Uhr

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