Dienstag, 11. Februar 2014

Kreis, Quadrat und Figur

Logisch, sinnvoll und klar stehen sich diese abstrakten Objekte gegenüber, ergänzen sich, korrekt wie eine mathematische Gleichung, deren Ergebnis auch ein anderes sein könnte. Dann nämlich, wenn der Betrachter die Prämissen vertauscht und die Werke in eine andere Umgebung hängt. Wenn er die Paas’schen Farbbänder von der Wand in den Raum hineinrollte oder die vielfarbig schimmernden Quadrate von Dirk Salz im Raum isolierte und die eigenwilligen Objekte von Bodo Korsig vielleicht in einer Alltagssituation bestaunte. Nicht nur die einzelnen Arbeiten sind es, die diese Ausstellung besonders machen, sondern auch ihre Kombination zum Zweck der Kommunikation über die wahre und richtige Form.  

Kreis, Quadrat und Figur treten an zum Dialog.
Von J. Paas sind neben farbigen Papierschnitten in Stahlrahmen kontrastreiche Wandinstallationen zu sehen, kreisrunde Objekte, die wie farbige Filmrollen in Endlosschleife ausrollbar sind und je nach Geschmack des Besitzers die Ordnung im Raume in kreatives Durcheinander verwandeln können. Das Thema des international renommierten Essener Künstlers ist der Gedanke von Speicher und Depot, den er in minimalistischer Form und unendlicher Farbe auf Flächen und in Räumen variiert.
Die Wandobjekte von Dirk Salz sind rechteckig oder quadratisch. Plan und glänzend in samtweich anmutender Oberfläche fängt das Material wie in einem naturhaften Prozess seine organische Entstehungsgeschichte ein. Die Technik des Gießens und Trocknens von flüssigem Harz, aus dem die Arbeiten schichtweise aufgebaut sind, verfolgt der Künstler auch in anderen Werken, von denen viele in Museen angekommen sind.
Bodo Korsig ist wie Dirk Salz neu in der Galerie und auf dem internationalen Kunstmarkt und gut vernetzt, nicht zuletzt weil er seine Karriere in New York startete und dort immer noch Arbeitsaufenthalte einlegt - sofern seine Dozententätigkeit in Trier es erlaubt. Bizarre, flächig lineare Strukturgebilde aus pulverbeschichtetem Stahl stellt er her,  scheinbar harmlose Objekte, die jedoch wie Tentakel oder amöbenartige Organismen im Kopf des Betrachters ein irritierendes Eigenleben entfalten können. Das ist gewollt, denn der Künstler befragt immer wieder kognitive, neuronale Strukturen und bringt seine Ergebnisse in Bild, Objekt oder Performance zur Anschauung.     
Bis 16.3. 2014, Galerie Obrist, Kahrst. 59, Di-Fr 12-18, Sa 10-16 Uhr

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