Samstag, 8. März 2014

Die Suche im Nebelfeld



Landschaften sind es, in denen der Künstler zusammenfügt, was nicht zueinander gehört. Ein Lab-Top im Nebelfeld, ein Wanderer auf dem Felsen, der in Wolken verschwebt, dazu ein Koffer einsam am Meer. Eine ironische und subjektive Hommage an C.D. Friedrich mag man meinen - und das ist diese Schau auch, die den „way to the mountain“, so der Titel, ebenso zeigt wie den schmalen Weg zur Selbsterkenntnis. Denn zu den großen traditionellen Motiven, die auf den großen deutschen Landschaftsmaler verweisen, gehören auch die unkonventionellen aus dem persönlichen Fundus des Chinesen Xianwei Zhu: Herren im Businessdress oder als Helden hoch zu Pferd, schemenhafte Menschen mit ihren schwarzen Schatten, dazu die Schreibmaschine als wiederkehrendes Motiv und Lampen, die Landschaften taghell erleuchten und so wie Koffer und Kameras als Requisiten irgendwo abgestellt sind.
Deutsche Schluchten, Klippen, Kreidefelsen hat der Künstler auf Rügen durchstreift und aus Erinnerung an die chinesische Tuschemalerei zu einem interkulturellen Naturerlebnis transformiert. So wie Staffagefiguren in der europäischen Tradition Proportion, Perspektive und Blickführung lenken, leiten in Xianweis Kunst Allerweltgegenstände die Wahrnehmung des Betrachters: Schatztruhen, Grammophone, Uniformierte, Menschen, Bäume, Tiere. Indem sie sich in Zweck und Funktion verfremdet in scheinbar zufälligen Farbnebeln verbergen, eröffnen sie neue Sichtweisen und begleiten wie märchenhafte Such- und Erinnerungsbilder eine deutsch-chinesische Künstlerbiografie. Der Künstler als Suchender, als Wanderer zwischen den Welten  auf dem Weg zu sich selbst lässt uns - als Betrachtende - teilhaben an innovativen Bildfindungen in einer hochgradig konzentrierten Malweise.  
Geboren in Qingdao, der immer noch deutsch anmutenden 8-Millionen-Stadt am gelben Meer, studierte Zhu traditionelle chinesische Kunst. Dann war er dort als Dozent an der Universität tätig, bevor er in Stuttgart bei Prof. Cordula Güdemann sein Diplom in Freier Malerei absolvierte. Heute lebt er in Stuttgart und Peking, seine Arbeiten sind in Galerien und Museen repräsentiert.
Zu  dieser Schau gibt es neue Arbeiten von 26 ausgewählten Künstlern der Galerie zu sehen. Spannende Arbeiten kündigen Sebastian Herzogs erste Einzelausstellung und Alpay Efes Erstauftritt im Museum Ahaus an.
bis  29.3.14, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

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