Freitag, 21. März 2014

Menschen Bilder - Titus Lerner

Lassen Sie sie lächeln, ein wenig vielleicht und schränken Sie die Bewegung ein! Solcherlei Kommentare hört Titus Lerner heute noch, Meinungen, die sich auf die powervolle Darstellung der weiblichen Figur beziehen. Der Hintergrund? Ein weiter weiblicher Schritt schicke sich nicht, hinein in den Raum, der das Kunstwerk umgibt. Denn die Öffnung des plastischen Körpers ist seit Michelangelo ein eher männliches Motiv, während die weibliche Figur anmutig in sich ruht.  

Eine zentrale Arbeit dieser im Gesamtwerk Lerners ungewöhnlich optimistischen Schau ist ein weiblicher Bronzeakt. Aufrecht in der Haltung, macht die Figur einen großen Schritt auf den Betrachter zu, durchbricht einen Käfig, lässt Hüllen ihres Kopfes wie Häutungen hinter sich. Rollenklischees werden wie Fesseln gesprengt, die der Gesellschaft und die des Privaten. In vielen der klein- und großformatigen Plastiken und lichtdurchfluteten Bilder tragen Menschen Masken, führen sie wie einen Schutzschild vor sich her. Andere halten Figuren wie ein alter Ego in der Hand. Oder sind es kleine Gottheiten, wie ein Titel der Werkserie es nahelegt?
Schrundige, archaische Figuren, Körper, Kopf und Torso als Visualisierung  physisch materieller Energie sind die Motive, um die das ausdrucksstarke Werk Titus Lerners kreist. Ausgelotet werden die Grenzen des menschlichen Seins, dem der Künstler die Bestimmung zur Freiheit einzuschreiben scheint.
Auf seine Bestimmung horchend begegnet uns der Mensch, allein oder in kleinen Gruppierungen isoliert. Einer befindet sich mit einer Maske im Boot. Fragil scheint das Gleichgewicht der filigranen Bronzefiguren, deren Physiognomie entindividualisiert, deren Körpersprache allgemein, deren Zukunftsvision zwingend erscheint. Tastend suchen Blicke ein Gegenüber, mit der „Bitte teilzunehmen am Erlebten, dem Unsagbaren, das nach Ausdruck“ drängt.
Die klassische Bewegung des Schreitens und die des Stehens prägen Skulptur und Bild. Aus einem inneren Kern heraus tritt der Mensch ins Leben, wo „auch der Tod keinen Endpunkt setzt“, sondern es als Teil des ewigen Kreislaufs erst bedingt.
bis 11.4.2014, Galerie Klose, Rü 221, Mo-Fr 10-18.30, Sa 10-15 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen