Samstag, 22. März 2014

Weiße Schatten von Simone Haack

Unter dem Titel "Weiße Schatten" zeigt die Berliner Malerin Simone Haack ihre Arbeiten erstmals in der Galerie Obrist. Die Meisterschülerin von Karin Kneffel überzeugt mit ihren verstörenden Momentaufnahmen, meist von Kindern und Heranwachsenden. Auf den ersten Blick erscheinen ihre Bilder als Widergabe von Wirklichkeit, gerade durch die realistische und meisterhafte Strich- und Pinselführung, eine Wirklichkeit aber, die beim zweiten Blick in das Reich des Traumes, der Vision und der Grotteske entflieht. Diese Bilder lassen einen nicht unberührt, denn die Figuren sind immer wieder in eine Atmosphäre der Bedrohung eingebettet: Das halbnackte Mädchen auf dem einsamen Feldweg, das Kind mit der Pistole, der Junge mit dem Hammer. Was war vorher, was wird passieren? So sind die Spannung, der offenkundige "suspense" und das Spiel mit dem Unheimlichen wichtige Elemente in der Malerei von Simone Haack. Sie selbst sagt aber dazu: "Dem unheimlichen gebe ich genauso viel Raum wie auch dem Absurden, der Ironie und dem Humor, denn mir ist die Ambivalenz im Bildausdruck und in der Lesbarkeit wichtig. Grauen und Unheil deuten sich an. Sie zeigen sich nie direkt, sondern in Ahnungen.“ In Haacks Figuren steckt hinter einer Oberfläche des Kindhaften eine unbekannte Empfindungs- und Denkwelt, die mindestens subversiv und keineswegs unschuldig ist. Kindheit und Jugend bedeuten eben nicht nur Paradies und Unschuld: In der Kindheit liegt das größte Glück neben den schlimmsten Verletzungen. In dem paradoxen Ausstellungstitel "Weiße Schatten" verbündet sich deshalb sinnbildlich das unschuldige Weiß mit dem Schattenreich. Der Grat zwischen Gut und Böse und das Oszillieren vom einen zum anderen Pol machen die spezifische Spannung und Atmosphäre in den Arbeiten von Simone Haack aus.

Simone Haack – Weiße Schatten. Bis 3. Mai 2014.
Galerie Obrist, www.galerie-obrist.de, Kahrstraße 59, 45128 Essen, Mi-Fr 12-18h, Sa 10-16h

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