Freitag, 11. April 2014

Armin Turk zum Gedächtnis

Flüssigkeiten, die nur entfernt wie Farbe aussehen, kübelt er über Leinwände. Wischt sie fort mit Aufnehmern, wartet, raucht, sinniert, um dann wie ein Derwisch mit voller Gestik loszulegen: Indem er das getrocknete Bild umrundet, betrachtet, es mit weißen Tinkturen erneut überspült, bis der Farbgrund verschwindet in feinen Übergängen, die sich wie Schleier vor Horizontlinien legen.
Wer den Film von Werner Hannappel, dem Freund und Bewunderer Armin Turks gesehen hat, bekam ein eindrucksvolles und selten gezeigtes Bild vom Schaffen des im letzten Jahr plötzlich und früh verstorbenen Künstlers. Er war eine jener großen Persönlichkeiten, die Liebenswürdigkeit ausstrahlen und Kompromisslosigkeit fordern im Bereich der Kunst. Gerd Schütte richtet dem Velberter Künstler gleich zwei Mal eine Gedächtnisausstellung aus.
„Armin Turk und Freunde“ zeigt in den Scheidt’schen Hallen das Werk Armin Turks im Kreise von Lehrern, Studenten, Vorbildern und jenen Künstlern, die er besonders schätzte. 32  malerische und wenige fotografische Positionen kommen zusammen, die bei allen Unterschieden eindrücklich Parallelen aufzeigen, die sich ergeben, wenn abstrakte Kunst mit ihren Mitteln nicht klotzt. Sparsamkeit und Präzision kennzeichnet sie, allen voran das strahlende, selten gezeigte Triptychon des Velberter Künstlers aus dem Jahr 1980. Frisch, als sei es gerade fertiggestellt, strahlt es in Farben, die mit Mintblau, Blaugrau, Kobalt-, Türkis-, Himmel-, Meeres- oder Violettblau unzureichend bezeichnet sind. Die begrifflich kaum fassbar sind, weil sie sich mit jedem Lichtstrahl und jeder Bewegung des Betrachters verändern. Denn die „Farbe ist ein Ort, wo sich unser Gehirn mit dem Universum trifft“, sagte Cezanne, als er Farbe und Form in die Abstraktion entließ.
bis 13.4.2014, Ringstraße 51, Tor 1, Kettwig, Sa 14-18, So 11-18 Uhr u.n.V.

Pointiert und genau auf den Punkt wird Turk in der Galerie Schütte präsentiert. Vorwiegend die lichten Arbeiten der letzten Jahre sind zu entdecken, sparsam gehängt und präzise inszeniert, in grellem Neon- oder weichen Tageslicht. Man atmet auf, man atmet durch, wenn man sieht und staunt, mit welcher Entschlossenheit Turk gearbeitet daran hat, die Farbe als Licht und die Fläche als Körper im Bild zu modellieren. Wo Graubner Farben pulsieren und Rothko sie auf großen Flächen verschwimmen lässt, bleibt Turk im kleinen Format. Wohnzimmer- und käufertauglich, überschaubar in Größe und Preis, malt er Farblicht aus milchigem Weiß: Das sich wie Schleier über Farbgründe legt, sie modelliert und räumlich aufscheinen lässt, besonders bei gedämpftem Licht. Dann nämlich, wenn die vom Künstler angelegten Farben, lichte und getrübte, sich selbst überlassen sind.
Turk ging es um einen beständigen Aufhellungsprozess, so als wolle er selbst das Farblicht schauen. Gerade die letzten Jahre und aus dem Krankenhaus heraus hat er gemalt, strahlend lichte, entgrenzte Bilder, die, fast schon entmaterialisiert, dennoch die Idee einer Landschaft bergen, ohne sie je zu zeigen. In der Horizontlinie, hinter der etwas Neues beginnt, etwas, was man spürt, aber niemals erfährt, wenn man vor der Grenze bleibt. Bis zuletzt hat Turk an die Möglichkeit von Grenzüberschreitung und Transzendenz in seinen Bildern gezeigt. Diese Ausstellung hier, sie würde Armin Turk gefallen.
Als 10-Jähriger schon hat er gezeichnet. Als Folkwang-Schüler waren es impressionistische Landschaften in Öl, bis er, bestärkt von seinem Lehrer Heinrich Brocksieper, das Licht in die Landschaft und den Gegenstand hinter sich ließ.  Farbraum, Licht, Fläche und, wenn der Betrachter es will, Wolken, Licht und Regen gehen in jedes seiner Bilder ein. 
Bis 3.5.2014, Galerie Schütte, Hauptstr. 4, Essen Kettwig, Di-Fr 14.30-19, Sa 11-14 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen