Donnerstag, 17. April 2014

Monarchen und Heldenbilder

Es begann in Gelsenkirchen mit einer Ausbildung als Bühnen- und Theatermaler am Musiktheater im Revier. Dann ging er an die Kunstakademie Münster in die Klasse von Ulrich Erben, danach zu Prof. Suchan Kinochita, wo er 2010 den Abschluss als Meisterschüler machte. Nach solch einer Ausbildung war klar: Andreas Flügel wollte malen, nichts als malen und leben davon. Also perfektionierte er das Konzept seiner Malerei, indem er scheinbar Widersprüchliches zusammenführt. Geschichte und Gegenwart, Macht und Politik, Herrschaftsglanz und Alltagstristesse.  

In dieser Ausstellung richtet der Künstler das Augenmerk auf Monarchen und Helden der Vergangenheit. Auf imperiale Gesten des Kaisers zu Pferd, in Uniform mit dem schillernden Stahlhelm als Siegessymbol. Die Sporen, der Blick, der gezwirbelte Bart Wilhelm I werden im Blow-Up herangezoomt und der Betrachter schaut ihm förmlich unter die Haut. Und das historische Umfeld? Es verblasst vor der großen Geste und wird – historisch austauschbar - zur komplementären Kulisse degradiert. Zeitgenössische Hochhausfassaden starren den Betrachter an, Wände kippen, Details wie Bretterbuden mit Bauarbeitern, Passanten oder Satellitenschüsseln erscheinen fragmentiert. Die Kulissen, die Flügel aufbaut, wirken wie  Bühnenausschnitte, die der Betrachter bewegen kann. Indem er sie gedanklich kippen lässt oder ausbaut, wenn er die Leerstellen der Bilder inhaltlich füllt. Wer würde heute die Stelle des letzten deutschen Kaisers ausfüllen? Wer würde „Bismarck mit Doggen“, wer „Napoleon“ ersetzen? Wie sähe das Leben ohne Herrscher und Heldenverehrung aus? Nichts Endgültiges, sondern Gedankenexperimente und Arbeitshypothesen bietet Flügel an, die darauf warten, vom Betrachter weitergeführt zu werden. 

Dem Inhalt entsprechend ist die Darstellungsweise fragmentiert. Flügel bleibt figurativ und bricht konventionell glatte Sicht- und Malweisen auf. Er stellt Figuren um, fügt Facetten zusammen, zeigt und zerstört den schönen Schein. Indem er spachtelt, sprüht, lackiert, indem er Graffiti- und Dripping-Spuren über geschlossene Farbhüllen legt, die dem Gegenstand fremd bleiben wie ein ausgeliehenes Kleid. 

In anderen Bildern wird historisch Unglaubliches fast makaber inszeniert. Brave Bürgerkinder reiten auf Ponys durch einen traurig gelichteten Wald und werden von einem Schutzmann, der an Hitler erinnert, dirigiert. 

Bis 17.Mai, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Rüttenscheider Str.56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

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