Freitag, 27. Juni 2014

Jörg W. Schirmer - Malerei und Skulptur

Neue Arbeiten aus Malerei und Skulptur stellt Jörg W. Schirmer in der Galerie Klose vor, eine Ausstellung, die Interdependenzen im Werk des vorwiegend als Bildhauer bekannten Essener Künstlers zeigt. Farbe und Raum sind die zentralen Darstellungsmittel, mit denen Schirmer sein Motiv, den menschlichen Akt, mit klassischen und gegenwartsspezifischen Mitteln untersucht, um dem hohen Bildgegenstand den Ernst so gründlich auszutreiben. Nichts erinnert mehr an das, was der klassische Akt einmal war: eine naturgetreue, idealisierte Abbildung des Menschen, wohl proportioniert und von majestätischer Ausstrahlung auf Betrachter und Raum.

Abstrahierend abbildhaft, form- und figurbetont bleibt Schirmers Darstellung, doch schießt die Figur raumgreifend über jede harmonisch gebändigte Proportion hinaus. Mit expressiver Geste ergreifen überlange Füße und opulente Frauenleiber Besitz vom Betrachter, der sich den stürzenden und wegschießenden Perspektiven wie in einem barocken Deckenfresko kaum entziehen kann. In der Froschperspektive umrundet er die Details.

Fein geschichtet, samtig glatt in Multiplex oder aus Fichten- und Birkenblöcken gemeißelt treten die skurrilen Skulpturen auf. Dazu kommen Bronzen mit schrundigen Oberflächen, die der Lüpertz- Meisterschüler mit einer gold- und neonfarbigen Farbhaut überzieht. Kein dekorativer Übermut ist es, wenn Schirmer die pastelligen Neonfarben in ultraviolettes Schwarzlicht taucht, sondern ein Spezialeffekt, der die Bildfläche objekthaft in den Raum wachsen und die Skulptur von innen heraus glühen lässt.

„...Guten Willens...“ kommentiert ein Bilditel ironisch das Programm der Schau. Aus schockfarbigem Giftgrün ragt ein riesiger Fuß dem Betrachter entgegen und lenkt den Blick aus tiefer Froschperspektive die nackten Beine hinauf, genau auf das, was der Betrachter nicht sehen soll. Schenkel und Füße einer rücklings Hockenden blockieren die visuell erotische Kamerafahrt.  

Die vormals sublimierte Ästhetik des Aktes wird mit Bezug auf die Kunsthistorie ironisiert. Ménage-a-trois ist eine eine Plastik, die auf Matisse anspielen kann, „Der Nachdenkliche“ auf Rodin oder „Ich bleibe“ auf das große Motiv der Liegenden.  Augenzwinkernd und bisweilen verspielt fördert Schirmer den voyeuristischen Blick der Kunst und ihres Betrachters zutage. Zimperlich sind seine Proportionen nicht, sondern von deutlich opulenter und sinnenfreudiger Form. 

bis 14.7.14, Galerei Klose, Rüttenscheider Str. 221, Mo-Fr 10-18.30, Sa 10-15.00

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