Dienstag, 24. Juni 2014

Klaus Kiefer und Yongbo Zhao mit neuen Provokationen im Namen der Kunst

Mit Yongbo Zhao präsentiert Klaus Kiefer einen großen Newcomer der chinesisch deutschen Kunst. Menschen, Tiere, Sensationen füllen den Galerieraum wie ein randvoll gefülltes Gehäuse. Ein schauerliches Bestiarium aus Mensch und Tier: Frösche, Fledermäuse, Fabelwesen, aufgepumpte Fratzen und ausgespuckte Eingeweide wimmeln und wuseln kreatürlich, infernalisch, fürchterlich, winden, mutieren, vermehren sich unkontrolliert und ungestört. Mensch und Wurm sind Teil der wütenden Natur - der Unnatur sollte man besser sagen - denn der Einfluss menschlicher Eingriffe, der gesellschaftlichen Sünden und klaffenden Laster kleben wie eiternde Wunden über dem, was Yongbo Zhao in seiner Malerei zeigt: Szenen voll unersättlicher Gier, voll von Ekel und paranoider Perversion, von Abscheu und exaltiertem Lebensverdruss. Sinnliches, Verbotenes, noch nie Gesehenes, kaum Vorstellbares, kaum Aussprechbares, all das macht vor der Phantasie des chinesischen Künstlers nicht Halt. Eines äußerst kreativen Künstlers, dessen Laufbahn eine knallharte Schulung durchlaufen hat: vom Tellerwäscher zum preisgekrönten Akademieprofessor, vom Dorfjungen aus der Mandschurei zum Maler und großstadterfahrenen Citoyen, der multikulturell mit Kindern und Familie mittlerweile in München lebt, sofern ihn Ausstellungen und Vorträge nicht nach Peking, Schanghai oder anderswohin treiben.

Faszinierend wie seine Phantasmagorien muss die innere Welt des jungen Altmeisters sein. Die Bilder, die er malt, hat er im Kopf, skizziert sie und malt los mit einer Könnerschaft, die Zeichen- und Pinselstrich gleichermaßen beherrscht, die die Farbe entfesselt und erdschwer an Motive bindet, die sich im  Betrachters einfressen, ohne dass er sie ausspeien muss.

Denn dem Ekel über menschliche Perversion und unmenschliche Macht steht mit sarkastischem Elan ein Humor zur Seite, der Widerwärtiges im Menschen verträglich macht. Es anschaulich und fassbar werden lässt, vielleicht sogar veränderbar, ohne dass der Betrachter die Fassung oder den Mut verliert. Und das auch deshalb, weil der Künstler als Person Widersprüchliches widerständig integriert. Zügellose Gedankenfreiheit und klares Konzept, Lebenslust und Disziplin, Schonungslosigkeit gegenüber der Wahrheit, Gnade gegenüber menschlichem Gebrechen, Verbrechen und der inneren Zerbrechlichkeit. Wenn sich in „Ein Knochen für drei“, so der Bildtitel zwei Hunde und ein Chinese um einen Knochen kloppen, wenn beim „Kaffeekränzchen“, einer kleinen Grafik, sich eine Frau die Haut buchstäblich vom Leibe strickt oder Kröten und Unken an Nabelschnüren zurren.

Unbedingt ansehen, auch das grafische Werk im Obergeschoss des Gebäudes! 

Galerie Klaus Kiefer, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 11-18.30, Sa 11-14 Uhr

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