Mittwoch, 16. Juli 2014

1 Ausstellung – 2 Galerien – 25 Künstler

Diese Ausstellung mit 25 Künstlern in zwei Galerien zeigt ein sehr breites und farbenreiches Spektrum aktueller Kunst. Malerei und Skulptur, Figuratives, Konzeptionelles, arrivierte Künstler und neu entdeckte stellen in einer locker gefügten Schau fast 80 Arbeiten aus. Eigens hergestellt spiegeln die atelierfrischen Werke ein skeptisch bis phantastisches Menschenbild. 



Den Ausgangspunkt bilden meist die alltäglichen Seiten der Gegenwart, auch wenn viele Arbeiten anmuten, als seien sie in der Zukunft zu Hause. Genreübergreifend zeigen sie Schnittstellen zwischen Wirklichkeit und medial vermittelten Bildern auf und wie gesellschaftlich geprägte Wahrnehmungsmuster individuelle überwölben. Manches wirkt futuristisch, manches bedrohlich, Abgründiges bleibt zugunsten einer cool perfektionierten Ästhetik ausgespart. Es soll entdeckt, es soll gekauft werden und zahlreiche rote Punkte bezeugen, dass man hier bereits aktiv am Werke war. 

Trompe-l-oeil-Malerei vom Feinsten wird in einer dialogisierenden Gegenüberstellung sinnfällig aktualisiert. David Üssem posiert gleich selbst als Modell: Nicht als Revolutionsführer, sondern perfekt vermalt in der Badewanne inmitten von Playmobil in der Spielzeugwelt des eigenen Sohnes.

Alpay Efes jugendliches Modell, modisch im Mini oder lässig in Jeans, konterkariert den Mythos der schlafenden Venus. Perspektivisch kaum fassbar und vom Betrachter entrückt markiert das Bild mit persönlichen Motiven des Malers eine  typische Arbeitssituation. Das Atelier, und sei es noch so klein, gleicht einem visuellen Labor, aus dem der Künstler Einblicke an die Außenwelt sendet, punktgenau und mit unspektakulär anmutender ideologischer Mission. Was interessiert, ist die Spannung im Bild und dessen Perfektion bis ins äußerste Detail.    
    
Dieses Anliegen genießt hier wie bei anderen Künstlern auch die höchste Priorität. Sebastian Herzau, Jörn Grothkopp, Martin Herler, Holger Kurt Jäger, sie alle malen in hyperrealistisch perfektionierte Bilder kalkulierte Sicht- und Sehblockaden ein. Schlieren, Nebel, Lichtreflexe stören die Wahrnehmung, um sie schlussendlich zu schärfen. 

Silhouetten von Kiegsflugzeugen lässt Angela Schilling wie Drohnen vor blauem Himmel aufziehen auf Verkleidungsplatten vom DDR Wohnungsbau. Kommentiert und aufgeheizt wird die formal reduzierte Szenerie mit Schriftzügen und Zitaten aus Filmen der 70er Jahre.

Das mit 28.500 Euro teuerste Werk aus 150 kg Bronze mattschwarz patiniert ruht mit sinnlicher Anmutung im Garten. Aus verschlungenen Traktorschläuchen entstanden stellt es nun einen Kussmund dar.

Bis 16.08.14, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Rüttenscheiderstr.56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr und Huyssenallee 85 n.V.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen