Mittwoch, 9. Juli 2014

19% - eine Ausstellung gegen den Ausverkauf der Kunst

Was raus will, muss raus! Bilderweise, wandweise, Gerd Schütte verkauft aus dem eigenem Sammlungsbestand mit 19% Preisnachlass auf jedes Stück Kunst. 12%, darauf weist er mit seiner Ausstellung hin, beträgt die unauffällig und frisch von der EU verordnete Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Kunst. Die Wirkung auf die Märkte wird nachhaltig sein. Dasselbe Produkt, vom Künstler wie bisher mit 7% und vom Galeristen mit 19% versteuert wird zu Marktverschiebungen führen. Privatleute geraten unter Druck, Firmen trifft es aufgrund der Abesetzbarkeit weniger. Ein vorgezogenes Beispiel auch für das, was mit dem transatlantischen Freihandelsabkommen auch für andere Branchen zu erwarten ist? 

Was in dieser Schau assoziativ verbunden beieinander hängt, Malerei und Fotografie, vorwiegend Abstraktes und ausschließlich Galerieeigenes, ergibt eine Ausstellung der ganz eigenen Art. Nicht ein zu fördernder Künstler wird präsentiert, sondern die stilsichere Hand des Galeristen, die aussucht und zusammenstellt, was zusammengehören kann. 

Exponate, die der Galerist gesammelt hat, stehen an zum Verkauf, auch wenn sich Gerd Schütte nur schwer von manchen trennt. Der Anlass? „Mit 60 und auch anlässlich des Gurlitt-Falls denkt man schon einmal daran, was ein Nachlass ist. Wen interessiert, was du gesammelt hast, wer pflegt, verwaltet, veräußert es? Kunst ist da ein ganz besonderes Produkt“, so der Galerist. Sie muss selten, hochwertig und gut nachgefragt sein, sonst endet sie so wie jede andere Ware der Wegwerfgesellschaft auch. 


Eine „Fleischmann-Wand“ steht an zum Verkauf: auf tiefem Schwarz hinreißend hinfällige Rosen, ein blauschwarzer Streifen am Horizont, Landschaftsfragmente verschwommen in dunklem Grau, dazu Kompositionen aus Rechteck, Quadrat und  Streifen. Werkphasen des Künstlers in großzügiger Petersburger Hängung und unterschiedlichem Format werden gezeigt und von einer kleinen Fotografiie von Johannes Gramm flankiert. Was aussieht wie eine Modellvorlage von Norbert Fleischmann, entstand ohne Referenz auf ihn und unabhängig davon. 

In der Kombination der sehr unterschiedlichen Arbeiten von 33 Künstlern auf kleinstem Raum beweist Gerd Schütte Kennerschaft, als Sammler und als Galerist. Unterschiedliches wirkt stimmig arrangiert und trotz der Fülle von 45 Arbeiten hat jede genug Raum für sich. Abstraktes, Fotografie und Konzeptionelles werden gezeigt. Die kleinste und in der Bildwirkung starke Arbeit von Volker Troche misst gerade einmal 3,5/ 4,8 cm. Ein Stück Teppichboden und die winzige Fotografie eines Springenden kurbeln die Assoziation des Betrachters beträchtlich an, für eine Schau, in der es viel zu entdecken gibt.  

Bis 30.8.14, Galerie Schütte, Essen Kettwig, Hauptstr. 4, Di-Fr 14.30-19.00, Sa 11-14.00

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