Mittwoch, 17. September 2014

Upcycling Society

Lucia Dellefant spricht den Betrachter an, unmissverständlich, direkt. Mit intensiver Farbe und konstruktivem Kontrast entlässt sie kantige Botschaften in den Raum, imperativisch, investigativ, so dass kein soziales Gewissen geschont und keine  Unterlassung unbemerkt bleibt. Zukunftsweisend und bisweilen bohrend graben sich ihre Appelle ein - kein Wunder also, dass neben Museen auch Chefetagen großer Konzerne sich für ihre Kunst interessieren. Nicht nur in New York, Paris und Tel Aviv sind sind ihre Arbeiten mittlerweile präsent, sondern auch im asiatischen Raum, seit sie Deutschland 2009 auf der Biennale in Peking mit ihrer gesellschaftskritischen Kunst vertrat. 

Kleine, zimmertaugliche Formate oder raumgreifende Tableaus können es sein oder Installationen für den Außenraum. Eine der größten, 60 Meter lang und zwei Meter hoch, steht vor einem Gefängnis, weithin wahrnehmbar für die Außenwelt, für die Insassen ein winziger Ausschnitt aus der freien Welt. „Augenblick“ steht dort als riesiger Schriftzug, der  wie ein Schnitt in den städtisch ländlichen Raum interveniert. „Augenblick“? Verheißung oder Verhängnis, ausweichen jedenfalls kann man dieser ebenso hoffnungsvollen wie bedrängenden „Message“ nicht. 



In Zeiten politischer Abstinenz besteht Dellafant auf dem Recht zur Intervention. Nein zu sagen, Reflexion zu fordern und Verbindung zu stiften zwischen Utopie und bedrängender Wirklichkeit.  

„Upcycling Society“ heißt die 5. Einzelschau im „kunst-raum“ und bezeichnet so, was Dellefant in ihren Bildern visualisiert. Virtuelle, gesellschaftlich kodierte Räume, die sich gegen die Schwerkraft drehen, inhaltlich, perspektivisch, formal. Stadt- und Architekturfragmente aus Fenstern, Fassaden, Wänden und Winkeln, die sich auftürmen und verschachteln, aber niemals eine geschlossene Behausung ergeben. Plattformen des Denkens stellen sie dar zur Konfrontation mit Utopien, den positiven und den versäumten. „Don’t accept excuses“, „we know the facts“, „discover your power“, „future could be fun“..... „face the Fact and act“. In solcher Reihenfolge lesen sich ihre Bilder wie konsequente Schritte in eine bessere Welt.

Im Souterrain und der oberen Etage ist sehr viel Neues mit Hinweisen auf die zukünftige Arbeit einiger Künstler der Galerie zu besehen. Ivo Lucas zeigt einen gewandeltenen Stil, Holger Lörcherbach Skulpturen aus sturmgeschädigtem Holz und Roland Schmitz Abstraktion in samtglatter Ästhetik, während Holger Kurt Jäger derzeit  in der Galerie  Schloss Oberhausen zu besichtigen ist.

Bis 28.9.14, kunst-raum Schulte-Goltz+Noelte, Rüttenscheider Str. 56, Di-Fr 12-19, Sa 10-16 Uhr

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