Dienstag, 30. Dezember 2014

Trommlerbär und Freunde

Wildschweine stehen in den hellen, hohen Räumen, nicht als Festtagsbraten, sondern aus schneeweißer Meißener Keramik mit dunkelblauen Sprenkeln geziert wie aus einem Pollock-Gemälde. Andere aus mattbrauner Bronze und lebensgroß sind im nächsten Raum zu bestaunen, während im Eingangsbereich ein silbrig schimmernder Fischhaufen aus Aluminium auf dem Boden liegt.  
 

Frank Schlag hat sein Haus neu bestückt. Der monumentalen Schau der Skulpturen folgt deren Reduktion, und zwar eine, die mit wenigen Exponaten und ausgesuchten Motiven auskommt. Nicht das Erhabene oder ein ästhetisches Ideal werden in dieser außergewöhnlichen Einzelpräsentation des in Essen geborenen Künstlers präsentiert, sondern das, was aus dem gewohnten Blickpunkt fällt.   
Eine große Plastik aus Edelstahl, ein langrüsseliger Trommlerbär, scheint das erste Geschoss fast allein zu bespielen. Auf deren Oberfläche hat Emanuel Wolff seine künstlerische Handschrift eingraviert. Glattpoliertes steht neben schrundig rohen Flächen, in die Fingerabdrücke und Spachtelspuren eingegraben sind, deren schweißtreibende Energie man aus dem im Feuer gegossenen Material  herausspüren kann. Die mächtige, gerade erst fertiggestellte Figur ruht so selbstverständlich auf einem kleinen in Aluminium erstarrten Stück Holz, dass die widersprüchlichen statischen Kräfte in elegantem Understatement verborgen sind.
Neben Plastiken gibt es ausgewählte zeichnerische Papierarbeiten zu sehen mit einfachen, z.T. biografisch orientierten Motiven in phantastischer Variation. Auch hier wird deutlich, dass der international anerkannte Künstler, Graubner-Schüler, Biennale-Teilnehmer und Professor für Bildhauerei in Dresden einen Kunstbegriff pflegt, der herkömmliche Grenzen sprengt. In  dem ca. 450 qm großen Innenhof des erweiterten Bundeskanzleramtes sollen in Kürze Aluminiumgüsse von Emanuel Wolff mit bis zu 7 m Durchmesser platziert werden. Aus „Fischbergen“ entsteht der  „große Laderaum eines Schiffes“.
Bis 9.1. 2015, Galerie Frank Schlag , Meisenburgstr. 173, di-fr 14-19, sa 11-16 Uhr

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen