Dienstag, 6. Januar 2015

Sterben werden wir

„Balance Zwei“, so der Ausstellungstitel, bewegt sich beiläufig und mit machtvollen Bildern in der Balance zwischen Leben und Tod. Kräftige Farben in schwungvoller Geste gesetzt leuchten auf, schräge Perspektiven, die Abgründe und präzise Proportion verraten mit Motiven, die dem Alltag entnommen sind und dessen Fragilität offenbaren.
Der in New York lebende Künstler „Laurentz Thurn ist bekannt als Beobachter seines alltäglichen Lebensumfelds“. In seiner Wahlheimat Harlem findet er einige der hier ausgestellten Straßenszenen, die der in Hamburg geborene Künstler in Facetten zerlegt und neu arrangiert, um deren Flüchtigkeit im Setting der Malerei zu bannen. Zeitlos werden sie dadurch nicht, aber der dauerhaften Einsicht zugänglich gemacht. Der Betrachter selbst wird zum Beobachter zufälliger Begegnung, deren Vielfalt, Flüchtigkeit und Dynamik.  
Menschen stehen beengt in der U-Bahn oder inmitten einer Masse von Menschen. Sonnenlicht bricht ein wie ein Beleuchtungsspot, der ungewöhnliche Ausschnitte messerscharf markiert. Einsamkeit, Isolation, die Zerbrechlichkeit und der Wunsch nach Leben werden betont und das untrügliche Gefühl, dass jeder Daseinsgrund für immer und jederzeit wegbrechen kann. 
Seit einiger Zeit schon geht Thurn dem Thema der Balance im Leben nach, zwischen Menschen, Mann und Frau, Jugend und Alter, Leben und Tod. Anlass der hier ausgestellten Bilder war eine Szene in Florida. „Im grünen Licht einer Strandkapellen-Muschel stand eine Band aus New York..., vor ihnen fast nur alte Leute“, darunter ein Mann mit gebeugtem Rücken, Buckel und Cowboyhut, „der seine gichtigen Glieder beim Tanz gestreckt von sich stieß und eine alte hagere  Frau mit knorrigen Beinen, Schlapphut und Mantel...Im fahlen Licht am Strand unter Palmen tanzten sie zu dem Song – You are all gonna die. (Laurentz Thurn)
Bis 31.1.2015, Galerie Ricarda Fox, Mülheim, Liverpoolstr. 18, di-sa 15-18 Uhr u.n.V.

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