Mittwoch, 18. Februar 2015

Kraftklingende Farbräume

Wie wohltuend und unbegrenzt Farbräume sein können, zeigen Eberhard Ross und Harald Schmitz-Schmelzer in der Galerie Frank Schlag. In wesensverwandter Korrespondenz stellen sie neue Arbeiten vor, Leinwände von meditativer Ausstrahlung und Farbkörper von raumgreifendem Klang.


„Den Kopf leer zeichnen“ wie einer Zen-buddhistischen Übung, so geht Eberhard Ross seine Bilder an, die in langen Tagen und Nächten entstehen. Tranceartig, rhythmisch, intuitiv ritzt Ross in Ölfarbe hochfiligrane Muster ein, zeichenhafte, kalligrafische und solche, die wie neuronale Netzwerke aussehen. Schleier und Farbverdichtungen drängen zu lichten Zentren, denn „Farbe fühlt sich im Winkel nicht wohl“. Strahlende Inversionsphänomene wie die Auflösung des Raumes entstehen und Synästhesien im Kontrast von Orangerot und Blaugrün. In kreisrunden oder quadratischen Farbfeldern konzentriert der Essener Künstler Leben und Licht, die Essenz seiner Bilder also, und pulsierende Räume, die der Betrachter erfahren kann. Zu denen er sich verhält, die er visuell durchschreitet und körperlich spürt. „Speicher“ nennt der Laszlo Lakner-Schüler seine homogen gestalteten Bildflächen, die von Ruhe, Konzentration und Gelassenheit sprechen. Erfahrungen eines dreimonatigen Aufenthalts in Südkorea gehen hier ein, wo er kürzlich an einer großen und besucherstarken Gruppenausstellung teilnahm.
 
Einen gegenteiligen Werkprozess scheint Harald Schmitz-Schmelzer durchzuführen, dessen Arbeiten nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA und der Schweiz hoch anerkannt sind.
Linienbetonte, kantig gerade, spiegelglatte Farbkörper aus Kunstharz stellt der Duisburger Künstler in fabrikähnlichen Hallen her, wo es brodelt und dampft, wo er wie ein Alchimist mit Kunstharz agiert. Schicht für Schicht schüttet er das zähflüssige Material in quadratischen oder halbrunden Formen auf, gießt reines Pigment und neuerding Kunstfremdes dazu, Glasspäne, Gestein- und Baumwollreste. Ist ein Streifen getrocknet, gießt er den nächsten auf, in ein bis zwei cm dünnen Schichten, eine Gedulds- und Konzentrationsleistung, in die jahrelange Materialerfahrung eingeht. Farbklänge und Interferenzen strahlen aus dem transluziden Block, der mit Holz in handwerklich aufwändiger Technik verstrebt wird. Erlesene Holzmaserungen gewinnen zunehmend Bedeutung im formvollendeten Kunstharzobjekt. 

Das neue Ausstellungskonzept der Galerie: Kunsthandel wird im Erdgeschoss präsentiert, ein breites Spektrum Klassischer Moderne von 1945 bis heute, Malerei, Fotografie und Plastik. 

Bis 20.3. 2015, Galerie Frank Schlag,  Meisenburgstraße 173, Di-Fr 14-19, Sa 11-16.00

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